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Wenn es Sie interessiert, können wir uns ja jetzt einmal kurz anschauen, wie alles begann. Wenn nicht, treffen wir uns weiter unten bei ... und dann kam Deutschland wieder, wenn es um den Satellitenempfang in Deutschland geht.
Die folgenden Absätze habe ich mit freundlicher Genehmigung des Autors der Broschüre Sonim haalt uit de ruimte wat er inzit (Sonim holt aus dem All, was drin ist) von Ing. J.H. Vermeulen entnommen.
Bei Experimenten mit Radar, als diese Technik noch in den Kinderschuhen steckte, entdeckte man, daß passive Objekte diese Radar-Signale reflektierten.
1946, vor etwa 50 Jahren, entdeckte man, daß auch der Mond als passiver Radio-Reflektor zu gebrauchen ist. Die Technik stand nicht still und ziemlich schnell kam man auf die Idee, daß auch künstliche Monde eingesetzt werden könnten, um Signale zu reflektieren. Im Prinzip wurden diese also als Spiegel benutzt.
1954 wurde unter diesen Gesichtspunkten in Amerika das erste Satelliten-Kommunikations-Experiment durchgeführt. Das Ergebnis des Experiments führte zu dem Plan, sobald die entsprechenden (Raketen-)Starttechniken dies zuließen, passive Kommunikations-Satelliten zu starten.
1960 wurde der (passive) Satellit ECHO gestartet. Die verschiedenen Experimente zeigten aber schnell, daß von passiven Satelliten keine allzu guten Ergebnisse für die Massen-Kommunikation zu erwarten waren.
1962 wurde der erste aktive TV-Satellit TELSTAR ins All gebracht. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden TV-Signale über den großen Teich gesendet und empfangen.
Diverse nicht-synchrone Satelliten folgten auf ECHOSTAR. Diese nicht-synchronen Satelliten mußten kontinuierlich mit den Sende- und Empfangsantennen verfolgt werden, da sich diese Satelliten rund um die Erde bewegten.
Zwei Jahre später, 1964, wurde der Satellit SYNCOM gestartet, der erste erdsynchrone (der sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Erde bewegt, wodurch dieser Satellit stillzustehen scheint). Dieser hat inzwischen viele Nachfolger, beispielsweise A.T.S., die Intelsat-Serie und die O.T.S.
Die geostationären (erdsynchronen) Satelliten bewegen sich in einer sehr interessanten Bahn in einer Höhe von 36.000 km über dem Äquator mit derselben Umdrehungsgeschwindigkeit, wie die Erde: etwa 11.090 km/h.
1978 wurde hierhin O.T.S.1 (Orbital-Test-Satellite) gestartet, womit die Möglichkeiten von direkter Radio- und Fernsehübertragung auch in Europa Wirklichkeit wurden. Man gebrauchte für die Satelliten-Übertragungen verschiedene Bänder bzw. Frequenzen. In Amerika und Japan nutzte man unter anderem das 4-GHz- und das 12-GHz-Band (11.7 bis
12.7 GHz). Die russischen Satelliten-Ausstrahlungen, beispielsweise von Gorizont, können ebenfalls im 4-GHz-Band empfangen werden.
Die Empfangsrichtung für diesen Satelliten ist allerdings für jeden Ort auf der Erde unterschiedlich. Durch Berechnung oder Grafiken ist der Ort stets exakt zu bestimmen.
D.B.S. (Direct Broadcasting Satellites = direktstrahlende Satelliten, d.A.) arbeiten in Amerika seit 1974 und haben zu ihrer Zeit zu einem Absatz von einigen Tausenden Satellitenempfangsanlagen geführt. Selbstredend blieb man in Europa nicht untätig, sondern machte sich auch hier daran, via Satellit direkte TV- und Radioübertragungen zu realisieren.
Da das 4-GHz-Band vielfach für Richtfunkstrecken genutzt wurde, die durch die Satelliten-Ausstrahlungen hätten gestört werden können, ist man in Europa allgemein auf die Frequenzen des 12-GHz-Bandes ausgewichen, wo unter anderem mehr Kanäle verfügbar sind, was im Gegensatz zu Amerika angesichts des europäischen Problems der vielen kleinen Länder und unterschiedlichen Sprachen kein Luxus ist. Jedoch nutzt man trotz des 12 GHz-Bandes andere Frequenzen als in Amerika oder Japan.
Obwohl auf diesen hohen Frequenzen bereits seit langem auf militärischen Gebiet, beim Radar und in der Schiffahrt und Navigation gearbeitet wurde, konnte für den Empfang der Satelliten eine ganze Reihe neuer Dinge ihr Debüt feiern, nämlich Parabol-Schüsseln, Frequenz-Umformer und Satelliten-Empfänger.
Wenn sich ein Himmelskörper in einer Bahn um einen anderen bewegt, dann wird der erstgenannte als Satellit des zweiten bezeichnet. So ist beispielsweise der Mond ein Satellit der Erde, und es gibt im Weltall eine Unzahl von natürlichen Satelliten.
Die vielen künstlichen Satelliten, die um die Erde kreisen, sind ausgerüstet mit hochwertigen technischen Geräten und Instrumenten, beispielsweise Mess- und Beobachtungs-Instrumenten, Sendern, Empfängern und Solar-Energiepanelen.
Besonders für Kommunikations-Zwecke ist der künstliche Satellit ein gewaltiger Durchbruch, erst recht die sogenannten geostationären Fernsehsatelliten".
Diese elektronischen Spiegel bewegen sich mit exakt mit einer zuvor festgelegten Geschwindigkeit und Richtung um die Erde und stehen, wie bereits vorher erwähnt, von der Erde aus gesehen auf einem festen Punkt über der Erdoberfläche.
Fernseh-Satelliten befinden sich immer genau in 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator. Die Positionierung über dem Äquator macht es im Prinzip möglich, Signale vom Nordpol bis zum Südpol zu empfangen.
Der Abstand zwischen dem Satelliten und der Erdoberfläche ist eine vorgegebene Größe; in dieser Höhe ist die Schwerkraft so schwach geworden, daß der Satellit nicht mehr zur Erde zurückgezogen wird.
Ein solcher Satellit kann verschiedene Signale (Bild und Ton) empfangen, verarbeiten (z.B. verstärken) und wieder aus seiner erhabenen Position ohne Störungen zur Erde zurücksenden. Im Gegensatz zu den normalen, terrestrischen TV-Sendern, die mit Amplituden-Modulation (AM) arbeiten, nutzen Satelliten-Sender Frequenz-Modulation (FM, international gebräuchlich für UKW-Bereich). Der Qualitäts-Vorteil von UKW (FM) gegenüber Mittelwelle (AM) muß hier wohl nicht extra erläutert werden.
Die zum Satelliten und vom Satelliten übertragenen Signale stören sich nicht mehr (da unterschiedliche Frequenzen genutzt werden), wodurch eine noch bessere Qualität erzielt wird. Bei den heutigen Satelliten wird das Signal nicht mehr reflektiert, sondern auf eine andere Frequenz umgesetzt und erneut (verstärkt) ausgestrahlt. Wir sprechen hierbei von Transpondern (Frequenz-Umsetzern).
Wenn mehrere Satelliten über dem Äquator in Gruppen zusammenstehen (wie bei ASTRA auf 19,2 Ost), könnte man ja befürchten, daß sie jeden Moment zusammenstoßen. In Wirklichkeit stehen die Satelliten, so weit von der Erde entfernt, immer noch einige hundert Kilometer auseinander. So ist es möglich, mit einer Schüssel mehrere Satelliten von einer Position zu empfangen, ohne die Schüssel bewegen zu müssen.
(Aus: J.H. Vermeulen: Sonim haalt uit de ruimte wat er inzit, ELMEFA bedrijven, NL-5900 AJ Venlo)
Zurück in die Gegenwart. Naja, ein paar Jährchen bleiben wir in Deutschland noch zurück. Erst als Ende der 80er Jahre in Deutschland mit jahrzehntelanger Verspätung das Zeitalter der privaten Fernseh- und Radioprogramme begann, wurde der Satelliten-Direkt-Empfang auch hierzulande attraktiver. (Die Deutsche Bundespost - als Verordnungsgeber für alles, was in Deutschland funkt und sendet - lockerte die Empfangsvorschriften, wohl um den Zuspruch für ihre eigenen Satelliten, besonders Kopernikus, auszuweiten.) So richtig interessant wurde er aber erst, als die deutschsprachigen TV-Programme SAT.1, RTL plus, PRO 7 und 3SAT Kanäle auf dem damals noch privaten Satelliten ASTRA 1A belegten. Um die Programme dieses Satelliten ins eigene Fernseh-Gerät zu bekommen, reichte nämlich zum ersten Mal in Mitteleuropa bereits eine 55-60 cm durchmessende Schüssel.
Mag ja sein, aber welche Gründe gibt es denn, sich jetzt eine Schüssel aufs Dach, in den Garten oder auf den Balkon stellen, statt sich verkabeln zu lassen?
Heute gibt es vier Hauptgründe, sich die Programme aus dem All zu holen:
1. die vergrößerte Auswahl an deutschen Privatsendern, ohne sich in der Programmauswahl durch Kabelbetreiber oder Telekom beschränken zu lassen und dafür teuer zu zahlen,
2. den Empfang englischsprachiger Programme, um Serien und Spielfilme in ihrer ursprünglichen, nicht deutsch (ver)synchronisierten, Fassung genießen zu können und seine Sprachfähigkeiten nicht einrosten zu lassen. (Oder beispielsweise die ausländischen Vorbilder original bundesdeutscher Spielshows zu entdecken ...),
3. den Empfang von Radio- und TV-Programmen aus den europäischen Nachbarländern und internationaler Programme, sei es, um seinen Horizont zu erweitern, auch einmal die Welt aus einem nicht-teutozentrischen Blickwinkel zu sehen (bzw. zu hören) oder einfach um zu sehen, wie TV-Programme in anderen Kulturen gemacht werden,
4. den Empfang heimatlicher Programme beim Camping, im Urlaub oder wenn man auf Dauer ins benachbarte Ausland zieht.
Es gibt daneben natürlich noch die richtigen Freaks, die einfach Spaß dran haben, sich anzusehen, wie Popeye arabisch spricht oder alte Folgen der Reihe Spiel ohne Grenzen fürs Fernsehen des Emirates Dubai aufbereitet werden. (Wobei aus einem einfachen SAT-Freund, der unter Punkt 1 beschrieben wurde, auch schon einmal ein richtiger Freak werden kann ...)
All dies und noch viel mehr ist mit einer Satellitenschüssel weitgehend uneingeschränkt möglich. In unserer Reichweite befinden sich eine ganze Menge verschiedener Satelliten mit einer bunten Auswahl von Programmen. Einige dieser Satelliten können mit einer 60 cm Schüssel empfangen werden, für andere dagegen brauchen Sie eine Schüssel mit einem Durchmesser von einem oder gar 2 Metern. Mit einer Drehschüssel oder einer feststehenden Mehrsatelliten-Anlage können Sie sich unter 15 verschiedenen Satelliten entscheiden (oder zwischen ihnen nach Lust und Laune wechseln). Wenn Sie dazurechnen, daß jeder Satellit zwischen 5 und 50 Programmen (Radio & TV) bietet, übertrifft die himmliche Auswahl das Kabelangebot um ein winziges bißchen, oder? Und wenn Ihnen ein Satellit einmal nicht mehr gefallen sollte, weil sich das Programmangebot verschlechtert hat und Ihnen das Angebot eines anderen Satelliten besser gefällt, dann drehen Sie halt Ihre Schüssel auf den anderen Satelliten (ausreichende Schüsselgröße vorausgesetzt). Machen Sie das mal beim Kabel.
Und noch einen Vorteil hat der Direkte-Satelliten-Empfang: Sobald ein Programm von dem von Ihnen angepeilten Satelliten ausgestrahlt wird, können Sie es auch empfangen - Sie brauchen nicht erst zu warten, bis (oder ob) dieses Programm auch in Ihr Kabelnetz eingespeist wird. Und Sie zahlen keinen Pfennig monatlicher Gebühr - es sei denn, Sie hätten ein Pay-TV abonniert.
Der Satelliten-Direkt-Empfang hat noch eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber der Verkabelung, aber auch einige wenige Nachteile, die in diesem Kapitel nicht verschwiegen werden sollen.
Ganz und gar nicht. Im Prinzip könnten Sie die zusammengebaute Satelliten-Schüssel einfach auf dem Balkon oder der Terrasse auf einen Tisch stellen, auf einen Fuß oder an ein Podest montieren, ein wenig nach Süden ausrichten (und durch langsames Drehen der Schüssel wie bei den normalen Programmen darauf achten, wann ein Bild erscheint). Schon hätten Sie die Programmvielfalt in Ihrem Fernsehgerät, die Sie schon immer wollten. Und das in erstaunlich scharfer, klarer, störungsfreier Bildqualität - meist sogar klarer als bei den über die normale Antenne einfallenden Fernsehprogrammen. Wie gesagt, das würde prinzipiell ausreichen, hätte nur den Nachteil, daß Sie bei jedem Windstoß die Schüssel neu ausrichten müßten. Aber ein gekaufter, selbstgemachter oder vom Schlosser angefertigter standfester Fuß reicht in der Tat aus. Sie können die Parabolantenne (Schüssel) auch an einem Mast (beispielsweise an dem, an dem auch Ihre anderen Fernseh- und Radio-Antennen auf dem Dach montiert sind) oder an der Wand befestigen. Auch dies ist nicht allzu kompliziert oder teuer (die Vorrichtung zur Wandbefestigung gehört meist sogar zum Lieferumfang eines Schüssel-Paketes). Meist wird die Montage gegen einen geringen Aufpreis von dem Händler durchgeführt, bei dem Sie die Anlage kaufen. (Kosten je nach Aufwand und Anbieter zwischen dreißig und einigen hundert Mark, beispielsweise für eine einfache Anlage 300,-, für eine Mehrfachanlage etwa 500,- DM)
Um es knapp zusammenzufassen: Nein, Kabel ist zur Zeit nicht billiger und wird es auch in Zukunft nicht werden - eher das Gegenteil ist zu befürchten. Experten sind der Ansicht, daß die Anbieter zur Zeit die Kabelkosten künstlich niedrig halten, um dann, wenn eine ausreichende Menge an Kabelanschlüssen verkauft ist, kräftig an der Preisschraube zu drehen. Eine Vermutung, die nicht schwer nachzuvollziehen ist. (Einen ausführlichen Kostenvergleich Kabel kontra Satellit finden Sie übrigens im Kapitel 10.)
Je nach Ihren Anforderungen an Bequemlichkeit, Programmvielfalt und dem/den angepeilten Satelliten (ja, Sie können auch mehrere Satelliten gleichzeitig empfangen) kostet eine solche komplette Anlage zwischen 500,- DM und etwa 1.500,- DM. (Teilweise erhalten Sie komplette Anlagen sogar schon ab 299,- DM. Bei sehr speziellen Empfangs-Wünschen ist die Preisgrenze nach oben natürlich offen). Eine solche Anlage besteht aus der eigentlichen Parabol-Antenne (der Schüssel) und einem Empfänger, der die empfangenen Signale so umsetzt, daß Ihr Fernseher sie versteht (mehr dazu im Kapitel Aufbau einer Anlage), sowie meist auch einer Fernsteuerung. Mit einer solchen einfachen Anlage können Sie je nach Größe der Schüssel beispielsweise alle frei empfangbaren, nicht verschlüsselten, Programme der ASTRA- oder EUTELSAT-Satelliten empfangen.
Damit bewegt sich die Anschaffung einer Satelliten-Direkt-Empfangs-anlage, die ja mindestens fünf bis zehn Jahre halten sollte, ungefähr in Regionen, die dem Kabel-Anschluß eines Einfamilienhauses (Bereitstellungsgebühr z.Zt. 65,- DM und 270 DM monatliches Entgelt pro Jahr für eine Wohneinheit) entsprechen. Auch die interne Verkabelung des Hauses, also der Anschluß des Kabels an die Haus-Antennenanlage, ist nicht billiger als die Montage der Schüssel und die Einbindung des Satelliten-Receivers (des Empfängers, auf dem die Programme eingestellt werden) in Ihre Hausantenne durch einen Fachmann. Die Satelliten-Empfangsanlage gehört Ihnen damit, fürs Kabel dürfen Sie jeden Monat erneut zahlen, ohne daß Ihnen dadurch irgend etwas gehört. Eine monatliche zusätzliche Gebühr gibt es bei Satelliten-Programmen nur für die sogenannten Pay-TV-Programme, die Sie nur empfangen können, wenn Sie für einen bestimmten Betrag dieses Programm abonnieren (beispielsweise den Kino-Kanal Teleclub in der Schweiz, Premiere in Österreich und Deutschland oder FilmNet in den Benelux-Staaten - siehe unter Pay-TV). Ansonsten kostet Sie der weitere jahrlange Genuß der Satellitenprogramme keinen zusätzlichen Pfennig.
Beim Kabel fängt damit aber erst die Zeit des Zahlens an: Für die Grundversorgung, die sogenannte Regelleistung (bestehend aus der Grundleistung: ortsüblich empfangbare Programme (s.u.), wobei die Telekom entscheidet, wie viele und welche das sind, und der Teilleistung: herangeführte Programme, aber keine UKW-Radioprogramme) zahlen Sie in einem Haus, in dem bis zu zehn Wohneinheiten verkabelt sind, monatlich 22,50 DM pro Wohneinheit an die Deutsche Bundespost Telekom - zusätzlich zu den normalen Rundfunk- und TV-Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Programme (die übrigens auch zu den eingespeisten Programmen zählen). Sollte sich die Telekom entschließen, zusätzliche Programme einzuspeisen (die sogenannte Zusatzleistung, also Satelliten-Programme und Digitale Radio-Programme, können die Gebühren angepaßt (erhöht) werden. Egal, ob Sie die neu eingespeisten Programme sehen wollen oder nicht, auch Sie müssen dafür bezahlen. Hinzu kommen auch beim Kabelanschluß gegebenenfalls die Gebühren für abonnierte Pay-TV-Programme, die an den Anbieter, sprich denjenigen, der das Programm macht, gezahlt werden.
Je nach Kabelnetz werden unterschiedlich viele Programme eingespeist. Welche Programme das sind und welche Programme Sie sehen oder hören sollten (und welche lieber nicht), entscheidet die Kabelbetreiber-Firma oder die Telekom für Sie. Genießen dürfen Sie auf jeden Fall die ortsüblichen Programme - die Programme, die auch mit der normalen Antenne empfangen werden können: meist die öffentlich-rechtlichen Programme ARD, ZDF und ein Drittes. Ergänzt wird diese Programmvielfalt durch die Dritten TV-Programme einiger anderer Bundesländer (etwa Bayern 3 in NRW), die privaten deutschsprachigen Programme RTL Television, SAT.1, PRO 7 und RTL 2. Hinzu kommen je nach Kabelnetz mehr oder weniger zusätzliche ausländische Programme, die mitunter auch ganz normal über Antenne empfangbar sind, und einige reine Satelliten-Kabelkanäle wie das Videoclip-Programm MTV. Interessant auch die von den Landesmedienanstalten festgelegte Rangfolge der Programme im Kabel: Bundesdeutsche Programme haben in jedem Falle Vorrang vor ausländischen. Für n-tv fliegt dann halt Niederlande aus dem Kabel, für Viva MTV und möglicherweise NBC-Super Channel für Vox. Ein ähnliches Bild bietet die Programmvielfalt, die das Kabelradio bietet: Im Prinzip die sowieso über normale Dachantenne empfangbaren Sender und das Programmangebot des Bundespost-Satelliten Kopernikus. Im Raum Mönchengladbach waren Anfang 1994 beispielsweise folgende Hörfunkprogramme eingespeist: WDR 5 (Düsseldorf), WDR 5 (Essen), WDR 1, WDR 2, WDR 3, WDR 4, 3 Lokal-Radios: Welle Niederrhein (Viersen/Krefeld), Radio 90,1 (Mönchengladbach) + Radio News 89,4 (Neuss), SWF 1, SWF 3, SWF 4 (Mono), Deutschlandfunk, RTL Radio, Klassik Radio, RPR (Mono), die beiden Dauner Technisat-Stationen Radioropa Info und StarSatradio, von Kopernikus das Jazz-Programm JAM-FM, das Programm der britischen Streitkräfte BFBS, die niederländischen Hörfunkprogramme Radio 1, Radio 2 (Mono), Radio 3, Radio 4, RTBF 2 , RTBF 3 (beide Belgien frz.), BRT 2 BRT 3 (beide Belgien fläm.), und der deutschsprachige belgische Rundfunk BRF (alle Belgier in Mono, obwohl sie teilweise über normale Antenne ohne Probleme in Stereoqualität zu empfangen sind). Im Raum Düsseldorf beispielsweise fanden die nicht-kommerziellen belgischen Lokalsender, die über Antenne - ohne störendes Kabel - problemlos zu empfangen wären, ebensowenig Eingang in das Telekomkabel wie die privaten kommerziellen Radiosender in Hessen (FFH), Niedersachsen (FFN), Schleswig Holstein (RSH) oder Bayern (Antenne Bayern). Ihre Anfragen, warum schwache Sender aus Nachbar-(Bundes-)Ländern, die Sie mit der Hausantenne sehr wohl empfangen können, von der Telekom nicht eingespeist werden, werden meist mit der Begründung abgespeist, sie seien nicht ortsüblich. Beim Kabel haben Sie also keinen besonders großen Einfluß darauf, was Sie sehen oder hören (dürfen).
Normalerweise dürften die Kabel nicht ausstrahlen; bei jeder Verkabelung müßten im ganzen Haus stark abgeschirmte neue Antennenkabel verlegt werden - aber das geschieht so gut wie nie. Außerdem werden die Zuführungskabel meist vom Übergabepunkt aus unters Dach geführt (wo auch die normale Dachantenne angeschlossen ist) und dort ans Hausantennensystem angeschlossen. Von dieser hohen Warte aus ist es für das Kabel eine Freude, wie ein kleiner UKW-Sender die Umgebung mit Radiowellen zu versorgen. Im Kabel werden die Hörfunksender zudem meist nicht auf den Frequenzen eingespeist, auf denen sie terrestrisch zu empfangen sind, sondern auf beliebigen anderen Frequenzen, auf denen beispielsweise über normale Antenne bisher RTL-Radio oder RPR (Rheinland Pfalz Radio) zum empfangen waren. Radiosender, die vorher ganz normal über Antenne empfangbar sind, werden von Kabelsendern auf der gleichen Frequenz überlagert und können über Antenne nicht mehr oder nur gestört empfangen werden. Vergessen Sie also in einer verkabelten Straße mit dem Autoradio oder in einem verkabelten Haus mit Ihrem Kofferradio irgendwelche Sender zu empfangen, auf deren Frequenzen im Kabel ein Hörfunkprogramm eingespeist ist, da das Kabel in den meisten Fällen die terrestrischen Frequenzen überlagert (ausgenommen die starken WDR-Sender, die überlagert so schnell nichts und niemand). Nehmen Sie sich einmal die Kanal-Programmübersicht, und stellen Sie Ihr Kofferradio auf die Kabel-Frequenz eines sonst nicht zu empfangenden Senders, beispielsweise StarSat-Radio. Testen Sie es ruhig auch einmal im Auto: Stellen Sie Ihr Autoradio auf einen mehr oder minder schwach einfallenden Rundfunksender (RTL-Radio, RPR o.ä.), und fahren Sie durch verkabeltes Gebiet. Sie werden sich wundern, was alles in Ihrem Autoradio zu empfangen ist. Wenn Sie sich nicht verkabeln lassen, helfen Sie auch mit, diese unsichtbare Umweltverschmutzung einzudämmen. Sollte Ihr Empfang durch strahlendes Kabel aus Nachbarwohnungen beeinträchtigt werden oder Ihr Vermieter Ihnen die Dachantenne abmontieren wollen, weil Sie jetzt Kabel bekommen, müssen Sie dies nicht hinnehmen. Das Amtsgericht Wuppertal entschied: Bei Anschluß an das Kabelnetz müssen dieselben Rundfunksender zu empfangen sein wie vorher durch die Gemeinschaftsantenne. (AG Wuppertal, Urt. v. 18.5. 87 - 93 C 17/86). Zur Empfangsfreiheit des Mieters gehört es auch, eine Schüssel aufstellen zu dürfen (AG Sinzig AZ 4 c 206/90 vom 11.9.90). Leider gibt es immer wieder Versuche der Kabel-Lobby, Schüsseln aus fadenscheinigen Gründen (beispielsweise von stört das Stadtbild bis alle Programme ja sowieso im Kabel) generell verbieten zu lassen, die von Richtern, die ihre Chance sehen, endlich dem schon im 1000jährigen Reich deutscher Nation verpönten Empfang von Feindsendern den Garaus zu machen, unterstützt werden. Der Streit um die Informationsfreiheit und damit ein wichtiges Stück Demokratie in Deutschland ist leider noch lange nicht entschieden, aber er lohnt sich.
Die Qualität, in der die Kabel-Programme hereinkommen, hängt vom Standort und der Ausstattung der Kabelkopf-Station ab. Hier werden die Satellitenprogramme vom Himmel und die anderen Programme aus dem angrenzenden Ausland in sogenannten Rundfunksempfangsstellen der Telekom aus der Luft geholt und eingespeist. Liegt die Kabelkopfstation ungünstiger als Ihr eigenes Haus, kann es sogar sein, daß Sie ein Programm über Antenne besser bekommen als über Kabel (beispielsweise einen Hörfunksender im Kabel nur in Mono, über Antenne in Stereo). Nicht zu verschweigen ist auch, daß die Kabelsysteme noch immer störungsanfällig sind. Fällt das Kabelsystem aus und Sie haben im Vertrauen aufs Kabel Ihre Dachantenne abmontiert, können Sie ja die längst vergessene Kunst des Bücherlesens neu beleben oder den angefangenen Pullover in Ruhe zu Ende stricken - endlich wieder einmal ein Abend ohne TV oder Radio.
Ein weiterer Grund, sich für die Satellitenschüssel und gegen das Kabel zu entscheiden, ist die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern, statt sich auf deutsche Programme beschränken zu lassen. Satelliten-Direkt-Empfang bietet Menschen, die gerne selbst entscheiden, was sie sehen, und die gerne einmal die Welt aus einem anderen als dem deutschen Blickwinkel sehen möchten, die lieber etwas unsortierte, lebendige, unabhängige Radios hören, statt durchgestylter kalter Verbaltechnik zu lauschen, endlich die Möglichkeit, etwas wirklich anderes zu hören und zu sehen. Das gleiche gilt fürs Fernsehen: Was ist noch lebendig an einem Sender wie PRO 7, bei dem selbst die Programmansagen vorher aufgezeichnet und vom Band gesendet werden?
Die Medienanstalten der deutschen Bundesländer sorgen nämlich dafür, daß im Kabel (und natürlich über Antenne) deutsche Programme bevorzugt werden. Das heißt: ehe ein internationales Programm eingespeist oder ausgestrahlt wird, muß es erst einmal die Hürden der Landesmedienanstalt und der Telekom genommen haben, die sich in den meisten Fällen nicht unbedingt durch ihre globale Perspektive auszeichnen. Sie werden also im Kabel in erster Linie Hausmannkost finden.
Daß, wie in den Niederlanden geschehen, ein britisches Programm eine terrestrische Frequenz zugesprochen bekommt, ist in Deutschland leider völlig ausgeschlossen. Genauso wie Independend Television & Radio, unabhängige Stationen, die in Großbritannien ebenso eine Selbstverständlichkeit sind, und wie Radiostationen, die speziell für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, beispielsweise Asiaten senden. Wenn Sie internationale und unabhängige Stationen empfangen wollen, müssen Sie in Deutschland schon zur Schüssel greifen.
Um diese Frage zu beantworten, brauchen Sie sich nur die Programmzeitschriften durchzusehen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe verschiedener Stationen, aber wenn ich die gleichen Sendungen über verschiedene Stationen ausstrahle, wird nicht unbedingt Vielfalt das Ergebnis sein, zumal alle privaten Stationen in Deutschland im Prinzip zwei Großkonzernen zuzuordnen sind. Sie werden, spätestens wenn Sie die Programme über eine gewissen Zeit hinweg beobachten, sehen, daß, von wenigen Sendungen abgesehen, in allen privaten Programmen immer wieder die gleichen Filme und Serien kursieren, die auch schon bei den öffentlich-rechtlichen bis zum Erbrechen wiederholt wurden. Der Rest der Programme besteht zum großen Teil aus gekauften Konzepten von ausländischen Sendern oder nicht selten mitleiderregend schlecht gemachten Plagiaten. Die wenigen wirklich eigenen und wirklich gutgemachten Programme muß man leider mit der Lupe suchen. Und wenn einem Sender einfällt, eine mitternächtliche Anrufsendung ins Programm zu nehmen, dauert es nicht lange, bis drei oder vier andere Stationen auf die innovative Idee kommen, zu mitternächtlicher Stunde eine Anrufsendung ins Programm zu nehmen. Was will man schließlich auch erwarten, wenn das komplette deutsche private Fernsehen Privatsache zweier Konzerne ist, deren einziges Interesse möglichst risikoarmes Geldverdienen ist?
Nicht ganz unschuldig an dieser Situation sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten und die Furcht der Politiker vor unabhängigen Medien. Was sollen denn die öffentlich-rechtlichen mit den privaten zu tun haben? Nun, sie haben die Machtkonzentration im deutschen Privatfernsehen erst ermöglicht. Die Grundlage für das Imperium des Medien-Moguls Leo Kirch haben nämlich zu Zeiten ihres Monopols ARD und ZDF selbst gelegt. Wenn eine Fernsehanstalt einen Film ausstrahlen will, muß sie sich vom Rechteinhaber die Genehmigung zur Ausstrahlung besorgen. Die Fernsehsender kaufen diese Rechte entweder direkt bei der Produktionsfirma, beispielsweise einem der großen Studios in Amerika, oder über einen Zwischenhändler. In Deutschland kauften die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten während ihrer Monopolzeit fast ausschließlich bei einem einzigen Zwischenhändler ein: Leo Kirch. Richtig, genau bei jenem Leo Kirch, dessen Macht in der Medienwelt die Öffentlich-Rechtlichen heute ständig bejammern und den sie als Paradebeispiel für die Verdorbenheit der privaten Sender heranziehen. Wenn Kirch aber ein Monster ist, dann sind ARD und ZDF die Frankensteins, die dieses Monster gemeinsam geschaffen haben. Von den üppigen Honoraren der Öffentlich-Rechtlichen hat sich Kirch nämlich einen Fundus an Filmrechten zusammengekauft, der die Grundlage für seine späteren Abspielprogramme Teleclub, SAT.1, PRO 7 und Kabelkanal bilden sollte. Und da man beim Teleclub so gut zusammenarbeitet, kaufen auch die Bertelsmann-Programme (Premiere, RTL, RTL 2, VOX) bei Kirch ein. Das Ergebnis für den Zuschauer: die gleichen Filme, die er schon hundertmal in ARD und ZDF gesehen hat, feiern fröhliche Auferstehung bei den Privaten. Und wer die Filmrechte hat, hat den größten Posten der Kosten, die ein Fernsehsender mit sich bringt, schon drastisch gesenkt. Jeder Versuch, diesen Sendern Konkurrenz zu machen, ist von vornherein gescheitert, besonders, wenn man wie Kirch (der am Pressekonzern Axel Springer federführend beteiligt ist) und Bertelsmann noch über die entsprechenden Kontakte zu den Fernsehzeitschriften verfügt, die den eigenen Programmen bei Bedarf die notwendige Unterstützung geben können.
Und die Medienpolitiker? Die haben viel zu viel Angst vor der geballten Macht von Zeitschriften und (konzernzugehörigen wie öffentlich-rechtlichen) Fernsehsendern, als daß sie es riskieren würden, nicht mehr zu deren Talkshows eingeladen zu werden. Wundert es Sie jetzt noch, warum es möglich war, daß Thomas Kirch den ersten deutschen Nachrichtensender (namens eureka) kaufen, die Belegschaft auf die Straße werfen und aus den Trümmern PRO 7 machen konnte? Daß Leo Kirch zusammen mit der CLT (RTL-Mutter in Luxemburg) und dem italienischen Medienduce Berlusconi Tele 5 auf ähnliche Weise abschlachten und in das Deutsche Sportfernsehen umfunktionieren konnte? (Gerade als dessen Werbezeitenverkäufe PRO 7 hätten gefährlich werden können.) Wundert es Sie da noch, wenn wir derzeit nicht eine unabhängige Fernsehstation haben? Vielleicht sollte man sich ein Beispiel am Mutterland unseres ursprünglichen Mediensystems, England, nehmen. Obwohl auch dort - wie das Sky Imperium zeigt - auch keine absolute Monopolkontrolle gewährleistet ist. Aber ein paar mehr unabhängige Sender gibt es dort schon.
Es soll sogar in NRW noch vereinzelt Menschen geben, die mit einer WDR-in-GrundundBoden-Versorgung von 5 landesweiten Hörfunkprogrammen nicht zufriedengestellt sind und gerne Radio-Alternativen hätten. Sollten Sie zu diesen Menschen gehören, gibt es Hoffnung für Sie: Holen Sie sich via Schüssel zusätzliche Radio-Programme ungehindert ins Haus.
Rundfunkpolitik ist in der Bundesrepublik leider Ländersache. Leider, weil es engstirnigen Provinzpolitikern mit egozentrischem (oder hieß es geozentrischem?) Weltbild mit Profilneurose die Gelegenheit gibt, in ihrem Lande nur den Rundfunk zuzulassen, der ihnen paßt. Landesgrenzen = Radiogrenzen ist ihre Maxime. So ist es in NRW inzwischen fast unmöglich geworden, terrestrische Sender zu empfangen, die aus Nachbarbundesländern oder gar europäischen Nachbarstaaten herüberkommen könnten. Mit Hilfe von 5 landesweiten WDR-Ketten (zzgl. diversen Füllsendern für ebendiese), Deutschlandradio-UKW-Sendern und knapp 50 Fenstern im landesweiten Mantelprogramm radio nrw (WDR und Zeitungsverlage), den sogenannten Lokalradios, wurden die entsprechenden Frequenzen kurzerhand blockiert. Das hat für mich weder mit Demokratie noch mit europäischer Denkweise das geringste zu tun. Schließlich ist es nicht Aufgabe der Politiker (und schon gar nicht in einer Demokratie), den Menschen vorzuschreiben, was sie gefälligst zu hören haben und was nicht. Diese Methode, nur denjenigen Sendern im eigenen Lande Gehör zu verschaffen, die der Landesregierung passen (und das sind in NRW vor allem der WDR und die mit ihm assoziierten Sender), erinnert fatal an die Machenschaften in einem totalitären System, wie es die ehemalige DDR gewesen ist, aber nicht an eine Demokratie, die die bürgerlichen Freiheiten in ihrer Verfassung verankert hat. Demokratische Grundsätze scheinen leider aus der Mode gekommen zu sein, denn an den Satz eines bekannten Demokraten (an dessen Namen ich mich leider weniger gut erinnere als an das, was er gesagt hat) erinnert sich in NRW wohl kaum noch ein Politiker: Ihre Meinung ist zwar das genaue Gegenteil meiner eigenen, aber ich werde dafür eintreten, daß Sie sie äußern dürfen ...
Glücklicherweise bietet der Satelliten-Rundfunk noch die Chance, den modernen Rundfunk-Kleinstaatlern das Handwerk zu legen und dem Hörer die letzte Entscheidung darüber zu überlassen, was er hören möchte und was nicht. Noch ein letzter Hinweis auf die Vielfalt und Freiheit der Medien in NRW gefällig: Der WDR hat sich bereiterklärt, sich an der Veranstaltung lokalen Fernsehens in NRW zu beteiligen. (Wer sollte es auch sonst machen? Schließlich ist der WDR wegen Mangels an fähigen Menschen in NRW bereits gezwungen, 5 landesweite Hörfunkprogramme auszustrahlen, sich an einem landesweiten Mantelprogramm für lokale Radiofenster zu beteiligen und ein Drittes Fernsehprogramm zu veranstalten. Seien Sie also beruhigt: Ein Chaotenfunk oder Chaotenfernsehen findet in NRW auch in Zukunft nicht statt - so war sich Nowottny, Clement und Rau helfen.) Eher wird der WDR (wie auch die ARD und das ZDF) Teile des gebührenfinanzierten Programms als Pay-TV ausstrahlen - um nicht von der Zukunft ausgeschlossen zu bleiben ...
Und wie sieht die Zukunft aus? Steht zu hoffen, daß eines Tages doch noch frischer Wind, Leben und neue Ideen in die deutsche Medienlandschaft einziehen? Das Gegenteil steht eher zu befürchten. Während die Öffentlich-Rechtlichen weiterhin alle terrestrischen Frequenzen und Transponder blockieren, deren sie habhaft werden, beginnt sich in der deutschen Medienlandschaft eine große Koalition zu bilden. Wie Ende 1993/Anfang 1994 zu lesen war, planen die Verhüter unabhängiger Medien, Deutsche Bundespost Telekom zusammen mit den Medien-Monopol-Konzernen Bertelsmann, Kirch und den öffentlichen-rechtlichen Anstalten eine Vermarktungsgesellschaft für Programme. Das dürfte nichts anderes heißen, als daß die Großen dabei sind, sich den Kuchen untereinander aufzuteilen und über kurz oder lang viele der heute frei zu empfangenden Programme im Rahmen eines Multikanal-Paketes als Pay-TVs vermarkten werden. Und wenn die Telekom als größter Kabelbetreiber massiven Einfluß auf die Satellitenausstrahlung über ASTRA erhält, kann man sich denken, was dabei herauskommt. Da die Telekom nie ein großer Freund unkontrolliert empfangbarer Medien war und nie den Satelliten-Direkt-Empfang für private Haushalte unterstützen wollte, steht zu befürchten, daß auch die deutschen Programme auf ASTRA und im Kabel verschlüsselt werden. Schließlich ist es den Kabelbetreibern schon lange ein Dorn im Auge, daß Programme, für die sie ihre Kunden zur Kasse bitten, von jedem auch kostenlos vom Himmel geholt werden können. (Abstruserweise zahlen die Kabelbetreiber keinen Pfennig an die Programm-Macher, sondern verlangen sogar Geld von diesen für die Einspeisung ins Kabelnetz. Es gibt aber auch Programmveranstalter wie CNN, die nicht für die Einspeisung zahlen. Schön, wenn mehr Programmveranstalter diese Haltung zeigten.) Möglich also, daß im Kabel und über Satellit demnächst auch diverse deutsche Programme unter Ausschluß der Öffentlichkeit ausgestrahlt werden.
Welche Programme können denn nun über den Satelliten-Direkt-Empfang ins Haus geholt werden? Das hängt von Ihrem persönlichen Geschmack, dem angepeilten Satelliten, der benutzten Schüssel und dem Receiver ab. Die interessantesten Satelliten sind derzeit das ASTRA-System und die EUTELSAT-Position 13 Ost (wird zunehmend interessanter). Mit der Minimalausstattung der ASTRA-Anlage können Sie derzeit etwa 20 Fernsehprogramme offen empfangen (26 weitere sind verschlüsselt und damit nicht zu empfangen). Unter den offenen deutschsprachigen Programmen sind RTL Television, RTL 2, SAT.1, PRO 7, 3Sat, n-tv, DSF, Eurosport und fast alle bundesdeutschen öffentlich-rechtlichen einschließlich der Regionalprogramme. Außerdem können Sie (noch) den Videoclip-Kanal MTV, das amerikanische Nachrichtenprogramm CNN International, das Cartoon-Network (Hannah-Barbera- und MGM-Zeichentrickfilme von CNN-Gründer Ted Turner), TNT (alte Metro-Goldwyn-Meyer-Schinken), die niederländischen RTL-Programme RTL4 und rtl V (teilweise verschlüsselt), das englischsprachige Nachrichtenprogramm Sky News (noch), und das spanisch-sprachige Programm Galavision empfangen. Das noch bei MTV und Sky News bedeutet, daß diese Kanäle angedroht haben, demnächst zu verschlüsseln, wofür MTV von der Kabel-Telekom gebührend entlohnt wird.
Radio über All
Außer dem Empfang von Fernsehprogrammen haben Sie die Möglichkeit auch die übertragenen Rundfunkprogramme über Ihre Stereoanlage in bester UKW-Qualität (meist auch in Stereo) zu hören. Die Zahl der über ASTRA zu empfangenden Radioprogramme ist nach einem starken Ausdünnungsprozeß (in dem auch das gute alte englische Radio Luxemburg 208 das Zeitliche segnete) in letzter Zeit wieder leicht gestiegen. Derzeit sind es zumeist Nonstop-Musik-Kanäle oder Programme für den britischen und/oder niederländischen Sprachraum. Was Ihren persönlichen Geschmack angeht, kann ich natürlich nicht sagen, welches Radio-Angebot Sie begeistern kann. Für mich persönlich gibt es an deutschen Programmen (hiermit ist selbstredend nur deutschsprachig gemeint) derzeit nichts, was mich als Hörer vom Hocker reißen würde. Da gibt es Radioropa-Info, wenn man sich informieren möchte, RTL Radio - der Oldiesender, wenn es einem zu gut geht, StarSatRadio, wenn man es gerne leicht und seicht hätte, das Deutschlandradio für die Deutschländerwürstchen mit Freude an der bundesdeutschen Selbstdarstellung, und Radio Eviva für den Volks- & Country-Musik-Freund. Zwar findet man inzwischen auch öffentlich-rechtliche Rennomier-Jugendradios wie MDR-Sputnik (die traurigen Reste von DT64), SWF 3 und - welch Gewinn - das öffentlich-rechtlich verordnete NDR5-Jugendradio N-Joy. Ein richtiges flottes Unterhaltungs- und Informationsprogramm oder unabhängige jüngere Programme sucht man derzeit noch vergebens auf ASTRA und Eutelsat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, auch, daß irgendwann einmal private Sender wie FNN (Niedersachsen), FFH (Hessen) und RPR (Rheinland Pfalz) unbehindert in der ganzen Bundesrepublik gehört werden können.
An Unterhaltungs-Programmen aus den europäischen Nachbarländern können Sie beispielsweise Sky Radio (non-stop Soft-Pop - englisch/flämisch), Virgin 1215 (Pop, englisch), Radio 538 (niederländisches Pop-Programm in Veronica-Tradition) oder Volks- und Country-Musik aus der Schweiz bei Radio Eviva in Ihre Stereo-Anlage holen.
Wenn es Ihnen mehr um Land und Leute, Informationen aus anderen Länder geht, dann stehen Ihnen beispielsweise die folgenden Stationen zur Verfügung: World Radio Network (internationale Programme in englischer Sprache aus verschiedenen Ländern), Programme von Radio Schweden, Radio Finnland und Radio France International oder des amerikanischen Regierungssenders Voice of America für Europa, das Irish Satellite Radio Network und fünf BBC-Programme. Und das, ohne (vermutlich sowieso ohne jeden Erfolg) an den jeweiligen Landes- &Rundfunkherren appellieren zu müssen: Sire, geben Sie Rundfunk-Freiheit!
Eine komplette Übersicht der über Satellit empfangbaren Radio-Programme finden Sie im Anhang 1 dieses Buches.
Mit einer normalen ASTRA-Anlage können Sie - wenn Sie denn das dort noch verbliebene Programmangebot reizt - durch einen kleinen Dreh der Schüssel vom Telekom-Satelliten Kopernikus die folgenden Programme (teilweise erst mit einer 90er-Schüssel störungsfrei) empfangen:
SAT.1 3Sat, ARD, RTL Televison, ARTE und Vox. Radios: RTL Radio, StarSat Radio, Radioropa Info, Deutschlandradio, JAM FM (Jazz).
Mit einem zusätzlichen Bauteil an Ihrer Schüssel können Sie auch die folgenden Programme von Kopernikus empfangen (diese Programme werden auf einem anderen Frequenzbereich ausgestrahlt, für den ein eigenes Empfangsteil, ein spezieller LNB, benötigt wird):
PRO 7, DSF, n-tv (wahrscheinlich nur bis Juni 1994), Premiere (Pay-TV/verschlüsselt) und die Hörfunkprogramme Klassik Radio, AKK-Business-Radio (Kaufhaus-Radio) und Radio Melodie. Außerdem können Sie mit einem speziellen Digitalrundfunk-Empfänger bis zu 16 Hörfunkprogramme in digitaler Qualität empfangen. Ob der digitale Empfang der öffentlich-rechtlichen Klassik- und Informations-Kanäle Deutschlandradio, Bayern 4, S 2 Kultur, Radio Bremen Mix, HR 2, NDR 3, WDR 3, RIAS Berlin, sowie der Europawelle Saar, StarSat Radio, MDR-Sputnik und Radioropa Info (die auch anders zu empfangen sind), Klassik Radio, RPR 2, Radio FFN, und eines Programms der Münchener Radio Xanadu-/Energy-Gruppe bzw. Antenne Bayern aber den Kauf des derzeit noch recht teuren Empfangsgerätes rechtfertigt, ist zu überlegen. Der Fairneß halber sei hier erwähnt, daß dieses DSR-Paket auch in die Kabelnetze eingespeist wird.
Möglicherweise hat sich durch den Einstieg der bundesdeutschen Telekom beim ASTRA-Betreiber SES bei Kopernikus bereits alles geändert, wenn Sie dieses Buch lesen. Aber auch wenn dem nicht so ist, darf eine weitere, immer interessanter werdende Alternative nicht unerwähnt bleiben: der Satellit II-F1 der europäischen Eutelsat-Organisation (private, pseudo-private und staatliche Telekom-Unternehmen der verschiedenen, meist europäischen Länder vereinigen sich hier). Dieser Satellit befindet sich, schüsselmäßig gesehen, auch nur einen kleinen Dreh nach der anderen Seite neben ASTRA (und zwar auf 13 Ost). Diese Satellitenposition soll wie ASTRA auf mehrere Satelliten aufgestockt werden, so daß mit einer feststehenden 40- bis 60-cm-Schüssel dreissig oder mehr Programme empfangen werden können. Wie viele davon verschlüsselt sein werden, weiß der berühmt-berüchtigte Geier.
Derzeit bietet Eutelsat II-F1 ein verschlüsseltes Programm (den bundesdeutschen Kirch-Kabelkanal) und 12 bzw. 14 frei empfangbare Programme: RTL 2, Eurosport (englisch, auch mit dt. Ton), Euronews (auch mit englischem oder dt. Ton), Viva (dt. Pop-Musikprogramm), Deutsche Welle TV, Worldnet (internationale Infoprogramme/Überspielungen), NBC-Super Channel (englisch, viele amerikanische Programme, ITN-Nachrichtensendungen - Independend Television News aus London), TV5 Europe (frz.), TRT-International (türkisch), mbc (arabisches Programm), EDTV (Emirat Dubai TV mit unter anderem Programmen in englischer Sprache und alten Spiel ohne Grenzen-Folgen ...) und MTV (Deutschland). Möglicherweise senden inzwischen auch bereits Center of Music (COM-TV, unverschlüsseltes deutsches Musikprogramm, geplant für Mai/Juni1994) und der Science-Fiction Channel Europe (geplant für den Herbst 1994, Verschlüsselung ungewiß). Und es sind im Gegensatz zu den drei bis vier ASTRA-Satelliten auf dem einen Eutelsat noch freie Kanäle vorhanden.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß auch die niederländischen SCPC-Digitalradios (Radio 538, Radio Noordzee Nationaal, Love Radio, Radio 10 Gold, Concert-Radio und die beiden öffentlich-rechtlichen NOS-Programme Radio 1 und Radio 5) über II-F1 für die Kabelnetze ausgestrahlt werden. Empfangsgeräte für den direkten privaten Empfang gibt es allerdings (noch) nicht.
Wenn Ende 1994 der zweite Satellit II-F6 auf diese Position kommt, sind weitere 16 Programmkanäle zu füllen. Es steht zu hoffen, daß über möglichst viele davon unverschlüsselte Radio- und TV-Programme aus und für ganz Europa ausgestrahlt werden. (Damit mensch sich wenigstens übers All näherkommt ...) Noch ein dritter Satellit, HOT BIRD PLUS, soll 1996 neben diesen Satelliten ins All gesetzt werden und dann wahrscheinlich auch die beiden italienischen Programme RAI Uno und RAI Due übernehmen. Bevor Sie sich also vorschnell für die 50 Programme, die Sie angeblich über ASTRA empfangen können, entscheiden, sollten sich auf jeden Fall über das aktuelle Programmangebot auf dieser Eutelsat-HOT-BIRD-Position (13 Ost) informieren. Mehr über Eutelsat erfahren Sie im Kapitel 8.
Und wie bereits gesagt, über alle diese Programme können Sie sofort verfügen. Kein Antrag, kein Warten, bis das Kabel im Haus ist, bis es geschaltet ist, bis der Betreiber den neuen Satelliten-Kanal auch eingespeist hat. Sobald ein Programm vom Satelliten ausgestrahlt wird, ist es auch mit Ihrer Schüssel zu empfangen. (Eine Ausnahme bilden natürlich die verschlüsselten Pay-TV-Programme - hier benötigen Sie zuerst den zugehörigen Entschlüssler, den sogenannten Decoder.) Und wenn Sie einmal ausziehen, nehmen Sie die Anlage einfach mit und stellen sie am neuen Wohnort wieder auf - machen Sie das mal mit einem Kabelanschluß. Und Sie empfangen an jedem Ort die gleichen Programme auf den gleichen Frequenzen, auch das ist bei den unterschiedlichen Kabelanbietern nicht selbstverständlich. So kann es sein, daß Sie nach einem Umzug einige der vom alten Kabel gewohnten Programme nicht mehr empfangen und die restlichen auf anderen Frequenzen. Die Schüssel dagegen richten Sie am neuen Wohnort einfach wieder auf den Satelliten aus - und alles ist wie gewohnt.
Sind Sie Camper, oder fahren Sie mit Ihrem Reisemobil in den wohlverdienten Urlaub? Nehmen Sie sich eine Schüssel-Anlage mit, und Sie können auch an der Costa Dingenskirchen SAT.1, PRO 7, die beiden RTLs, und so weiter sehen - vorausgesetzt Sie haben auf Ihrem Campingplatz Anschluß an ein öffentliches Stromnetz für den Empfänger, der leider meistens mit 12 Volt nicht arbeitet. Es gibt allerdings bereits spezielle Camping-Anlagen, die mit einer 35 cm-Schüssel und einem Receiver mit 12-V-Anschluß arbeiten. Solche Minisets werden beispielsweise von den niederländischen Firmen satronic in Venlo (Tel. +31-77-54 66 44) bzw. von VEPO in America (Tel.: +31/4764/1335, Fax: 1331) angeboten und kosten zwischen 400,- und 700,- Mark. Mehr dazu im Kapitel über interessantes Zubehör - oder fragen Sie Ihren Händler.
Sie ziehen für längere Zeit an einen anderen Ort in Europa? Auch hier gilt: die Schüssel bringt Ihnen die deutschsprachigen Programme ins Haus, auch in Italien, Spanien, Portugal, und, und, und. In der Kernzone Europas (Deutschland, Schweiz, Österreich) reicht zum Empfang der ASTRA-Programme eine 60cm-Schüssel, an den Rändern des Empfangsgebietes muß die Schüssel einen größeren Durchmesser haben, bis zu 1, 20 Meter. (Wie groß, steht im Handbuch zu Ihrer Schüssel. Notfalls fragen Sie halt bei der SES nach: +352/71 72 51. Fragen Sie nach Yves Feltes, das ist der Mann in Luxembourg, der für die Öffentlichkeit zuständig ist. Infotelefon in der BRD: Piller Communications GmbH, Stefan Piller, Tel.: +49/228/97 59 60, Fax: 65 51 71.)
Informationen über die Eutelsat-Programme erhalten Sie vom Eutelsat-Infotelefon Deutschland unter +49/4224/585, Fax: 584 oder vom Eutelsat-Informationsbüro +49/228/ 917 50-0, Fax: 9 17 50-40. Programmbelegungstabellen und Infos in englischer Sprache gibt es per Fax rund um die Uhr in Paris unter der Nummer: +33/1/43 21 23 38. (Sie müssen englisch oder französisch verstehen können und brauchen ein Tasten-Telefon, das mit einem Fax gekoppelt ist. Wenn Sie nämlich unter dieser Nummer anrufen, kommen Sie in Kontakt mit einem Computer, der mit Ihnen in Englisch oder Französisch spricht und Ihre Antworten in Form der von Tastentelefonen ausgesandten Signale benötigt. Sie erhalten dann über Ihr Faxgerät eine Übersicht der zur Verfügung stehenden Dokumente mit vierstelligen Zahlen-Codes. Sie können daraus die auswählen, die Sie interessieren, und bei einem zweiten Anruf gezielt die gewünschten Dokumente abrufen, indem Sie über Ihr Tastentelefon oder den Fernabfragepiepser für einen Anrufbeantworter die entsprechenden Codes eingeben. Beim ersten Anruf erhalten Sie auch eine kurze englische Bedienungsanleitung. Mehr dazu im Kapitel 14: Informationsquellen.)
So damit haben wir verschiedene Gründe (und deren Hintergründe) beleuchtet, warum mensch sich eine Satelliten-Schüssel zulegen könnte oder sollte. Sicherlich gibt es darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Gründe, aber die ersparen wir uns hier und gehen davon aus: es gibt genug gute Gründe dafür, Satellitenprogramme empfangen zu wollen. Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns mit der nächsten wichtigen Frage: Wie kommen Sie dran, an diese Programme?