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Die Aufstellung im Garten oder auf dem Balkon können Sie alleine vornehmen, bei der Wand- oder gar Dachmontage sollten Sie auf einen Fachmann zurückgreifen; fragen Sie Ihren TV-Fachhändler. Auch viele Warenhäuser bieten inzwischen den Aufbau von Satelliten-Empfangsanlagen zum Pauschalpreis an. Beispielsweise berechnen die Huma-/Suma-Märkte 289.- DM für die Montage und Justierung der bei ihnen gekauften Schüssel an einem geeigneten, vorhandenen Montageplatz, die Aufstellung und Programmierung des Empfängers einschließlich Anfahrtskosten in Gesamt-Deutschland. Zusätzlich berechnet werden die Arbeitszeit und das Material für die Kabelverlegung je nach Aufwand.
Eine Genehmigung brauchen Sie dank der europäischen Rechtsprechung auch in diesem unserem Telekom-Lande nicht mehr. Bis einschließlich Januar 1991 verlangte die Telekom allerdings, daß Sie ihr ausführlich auf einem Fragebogen erzählen, was Sie mit dieser Satelliten-Kommunikations-Anlage empfangen wollen, und eine Anmeldegebühr von 25.- DM - sofern es sich nicht um den Telekom-eigenen Kopernikus-Satelliten sondern ASTRA handelte. Bei größeren Anlagen ist es außerdem möglich, daß Sie eine Genehmigung beim Bauamt einholen müssen. Lassen Sie sich aber nicht von überdiensteifrigen Beamten oder Vermietern ins Bockshorn jagen. Die europäische und weitgehend auch die deutsche Rechtsprechung erkennen Ihr Grundrecht auf Informationsfreiheit an. Zur Informationsfreiheit gehört ausdrücklich auch die Aufstellung einer Satelliten-Direkt-Empfangsanlage (Schüssel).
Dies kann Ihnen kein Bürgermeister oder keine Kabelvertriebsfirma rechtmäßig verbieten. Man kann allerdings - beispielsweise in denkmalgeschützten oder traditionsbeladenen Wohngebieten - berechtigterweise darauf drängen, daß Sie Ihre Schüssel nun nicht unbedingt in grellgrüner Farbe auf der weißen Wand genau hinter dem Reiterstandbild des großen deutschen Volksheiligen Sankt Bürokratius montieren. Hier kann man sich aber sicherlich auf einen weniger im Blickfang des touristischen Interesses liegenden Montagepunkt und eine unauffällige Farbe für die Schüssel einigen. Es gibt inzwischen sogar durchsichtige Schüsseln, die so unauffällig sind, daß ein Verbot hier die wahren Motive der Stadtverwaltung durchscheinen ließe.
Bevor wir uns in den Kapiteln 4 und 5 der eigentlichen Anlage widmen, müssen wir gemeinsam die vier wichtigen Grundfragen vor der Installation einer Schüssel klären:
1. Haben Sie überhaupt die Möglichkeit, eine Schüssel Richtung Süden zu positionieren?
2. Welche Programme wollen Sie empfangen?
3. Wollen Sie einen oder mehrere Satelliten empfangen?
4. Soll die Anlage für Sie allein sein, oder soll sie mehrere Parteien mit den neuen Programmen versorgen?
Zunächst müssen Sie klären, ob es für Sie überhaupt möglich ist, eine Satelliten-Schüssel aufzustellen. Wenn Sie sich die folgenden Arbeitsschritte nicht zutrauen, wird ihnen sicherlich Ihr Haus- und Hof-Fernsehhändler entweder selbst behilflich sein können oder Ihnen einen entsprechenden Fachmann nennen, der für Sie den optimalen Standpunkt für die Schüssel ermittelt. Kleiner Nachteil: es kostet. Also, vielleicht versuchen Sie es doch erst einmal selbst.
Besorgen Sie sich dazu einen Kompaß - ein einfacher tuts schon. Prüfen Sie jetzt, ob von dem Punkt aus, an dem Sie die Schüssel aufstellen (oder montieren) wollen, der Blick auf den südlich gelegenen Himmel frei ist. Der Blick muß wirklich frei sein, es darf kein Baum in der direkten Verbindung zwischen der Antenne und dem Satelliten stehen. Sollten Sie bereits drei Meter vor sich die Hauswand eines 30stöckigen Bürohauses sehen, wird die Angelegenheit kompliziert.
Wenn hier von Süden die Rede ist, so ist dies die allgemeine Richtung, in der die meisten interessanten Satelliten von unseren Breiten aus anzupeilen sind. Die Position der Satelliten wird - wie Sie wahrscheinlich bereits des öfteren gelesen haben - in Grad angegeben. EUTELSAT II-F1 und II-F6 sitzen beispielsweise auf 13 Ost. Worauf bezieht sich diese Angabe? Bei den Satellitenpositionen geht man von zwei festgelegten Werten aus: Norden = 0 und Süden entspricht 180. Steht ein Satellit jetzt auf 167, dann zieht man diese 167 von 180 ab und erhält 13. Und da diese 167 links von 180 liegen, muß die Schüssel von genau Süden um 13 nach links gedreht werden, oder, in Himmelrichtung ausgedrückt, um 13 nach Osten. Die Position von EUTELSAT II-F1 und II-F6 ist 13 Ost (oder in einigen Angaben: -13). Wenn Sie diese EUTELSATtelliten empfangen wollen, muß also die Sicht nach Süden-minus-13 in Richtung Osten frei sein. Bei ASTRA 19 in dieselbe Richtung. Soweit Ausrichtung von rechts nach links, jetzt gehts in die Luft.
Sofern Sie sich mit Winkeln auskennen, können Sie an dieser Stelle berücksichtigen, daß der Winkel, in dem die Schüssel nach oben zum Satelliten zeigt, von Mitteleuropa aus etwa 30° betragen muß. Aufgrund dieses steilen Winkels ist (besonders wenn eine Offset-Schüssel genutzt wird) manchmal sogar die Aufstellung hinter dem Haus möglich, wie die Abbildung auf der nächsten Seite zeigt. Wenn Sie genau wissen wollen, wie weit die Schüssel vom nächsten Hindernis entfernt aufgestellt werden darf, ohne daß die Empfangsqualität beeinträchtigt wird, müssen Sie einige Dinge wissen und den Rest berechnen.
Wissen müssen Sie Höhe des Hindernisses (Ihres Hauses beispielsweise) und den Winkel, in dem die Signale auf die Schüssel auftreffen müssen, also den Elevationswinkel. Der Elevationswinkel ist abhängig vom Breitengrad, in unseren Breiten liegt er meist zwischen 28° und 36° (in Nordskandinavien bis 15°, in Südspanien, Sizilien und Griechenland bis 45°).
Eine Liste der Elevationswinkel für ASTRA und EUTELSAT II-F1 finden Sie am Ende dieses Buches in Anhang D. Sollte Ihre Stadt dort nicht genannt werden, suchen Sie sich nicht die Stadt heraus, die Ihrer am nächsten liegt, sondern die, die auf dem gleichen Breitengrad liegt wie die Ihre. (Ziehen Sie notfalls einen Atlas zu Rate.)
Wenn Sie den Elevationswinkel gefunden haben, brauchen Sie noch die folgende Tabelle, die für die häufigsten Elevationswinkel die Steigungsrate angibt.
Elevationswinkel Steigung
28° 0,5317 m
29° 0,5540 m
30° 0,5774 m
31° 0,6000 m
32° 0,6249 m
33° 0,6490 m
34° 0,6745 m
35° 0,7000 m
36° 0,7265 m
Jetzt müssen Sie ein wenig rechnen. Nehmen Sie die Höhe Ihres Hindernisses (Garage, Haus o.ä.), und teilen sie sie durch die Steigung, die in der Liste für den Elevationswinkel an Ihrem Standort angegeben ist. Heraus kommt der Mindest-Abstand in Metern, den die Schüssel vom Hindernis entfernt sein muß.
Beispiel:
Ihr Gartenhäuschen steht im Sichtfeld der Schüssel (Richtung Süden). Der höchste Punkt seines Spitzdaches ist 8 Meter. Sie wohnen in Düsseldorf, benutzen also einen Elevationswinkel von 30°.
8 Meter
0,5774 Meter = 13,85 m
Bei der 1,10m-Offset-Schüssel, die auf meiner Terrasse steht, ist es beispielsweise kaum möglich, den Empfang zu beeinträchtigen, auch wenn sich Menschen direkt vor der Schüssel bewegen. Möglich, daß bei ihnen trotzdem die Aufstellung im hinteren Garten oder auf dem Balkon nicht mehr in Frage kommt. Aber das ist noch lange kein Grund zur Panik: Sie können jetzt immer noch die Wandmontage in Betracht ziehen, oder die Schüssel an dem Mast befestigen, an dem auch Ihre anderen Antennen befestigt sind. Auch bei einem Mietshaus ist der Vermieter übrigens gehalten, Ihnen dies aufgrund der Bestimmungen des Paragraphen 5 des Grundgesetzes (ungehinderter Zugang zu Informationsquellen) zu gestatten. (Ein Gerichtsurteil, das dies unterstreicht, ist beispielsweise das Urteil des Amtsgerichtes Sinzig, AZ 4 c 206/90 vom 11.09.90.) Und wenn Ihnen jemand erzählt, daß der Satelliten-Empfang nur für ausländische Mitbürger erlaubt sei, verweisen Sie ihn auf das Grundgesetz der BRD. In dessen noch verbliebenen Resten ist nachzulesen, daß niemand wegen seiner Nationalität benachteiligt werden darf - auch kein Deutscher.
Ist ein Aufstellungspunkt gefunden, was in den meisten Fällen irgendwo am (keinesfalls im!) Haus möglich sein sollte, sollte als nächstes geklärt werden, welche Programme Sie empfangen wollen. Im zweiten Teil dieses Buches finden Sie eine Übersicht über Satelliten und die Programme, die von diesen empfangen werden können. Empfehlenswert ist es auch, sich eine echte Satellitenprogrammzeitschrift zu kaufen und anhand eines Wochenprogramms die für Sie interessanten Radio- und TV-Programme aufzulisten. (Hinweise zu Satelliten-Programmzeitschriften finden Sie im Kapitel 14. Welche Programme von welchen Satelliten ausgestrahlt werden, wird zumeist in den Zeitschriften angegeben, ansonsten schauen Sie einfach unter den Kurzbeschreibungen der Programme im zweiten Teil dieses Buches nach.)
Welche Programme Sie empfangen können, hängt von drei Dingen ab:
1. von der Größe der Schüssel
2. vom Umsetzer (LNC)
3. vom Empfänger (Receiver).
Diese drei Elemente einer Satelliten-Direkt-Empfangsanlage werden wir im nächsten Kapitel, Aufbau einer Anlage, im einzelnen beschreiben. Statt des Receivers können Sie übrigens auch einen Videorecorder oder ein Fernsehgerät mit bereits eingebautem SAT-Receiver an die Schüssel anschließen. Für den Empfang der TV- und Hörfunk-Programme des ASTRA-Systems genügt in unseren Breiten eine 60cm-Schüssel, für EUTELSAT sind 80 cm bis 1,00 m besser.
Viel zu wenig bekannt ist auch, daß die technischen Möglichkeiten des Satelliten-Direkt-Empfangs nicht darauf beschränkt sind, die Programme eines Satelliten in eine Wohnung zu holen. Eine Satellitenschüssel kann auch mehrere Wohnungen, einen Wohnblock, eine Reihenhaus-Kette oder gar eine ganze Wohnsiedlung bedienen. Bei größeren Verteilernetzen, etwa einem Wohnblock mit 20 oder mehr Parteien, können die Programme auch durch spezielle technische Vorrichtungen so umgewandelt werden, daß sie wie die anderen - normalen - Programme auf ihrem Fernsehgerät eingestellt werden können. Die Satelliten-Programme werden dann in die normale Hausantennenanlage eingespeist und kommen über die ganz normale Antennensteckdose in Ihr ganz normales Fernsehgerät. Nachteil dieser Anlage: Sie können nicht beliebig zwischen Satelliten wechseln, und neue Programme müssen erst umgesetzt werden. Interessant ist eine solche Anlage also für Gemeinschaften, die lediglich an den zusätzlichen deutschen Privat-Programmen wie RTL, PRO 7, SAT.1 und so weiter interessiert sind, es ist kein System für Menschen, die gerne selbst entscheiden, was sie sehen wollen oder die auch - oder gar in erster Linie - an internationalen Programmen interessiert sind. Eine Umsetzer-Anlage für 10 Satelliten-Programme kostet beispielsweise etwa 2.000 DM.
Die häufigste Variante dürfte wohl die Verteilung der Satelliten-Programme von einer Satelliten-Schüssel an vier bis acht Empfänger sein. Dazu brauchen Sie ein Multiswitch-System. Mit einem solchen Verteilsystem können vier, acht oder mehr Receiver an eine feststehende Schüssel angeschlossen werden. Dazu werden an der Schüssel zwei LNBs (Empfangsteile) montiert: einer für die Programme mit horizontaler Polarisation, einer für die mit vertikaler. (Oder ein LNB mit zwei Anschlüssen, der intern die Polarisationsebene umschaltet.) Diese beiden LNBs werden über jeweils ein Koaxialkabel (Antennenkabel) mit einem Verteilkasten verbunden, der je nach Hersteller mehr oder weniger so groß wie ein Walkman ist. An diesen Verteiler wiederum werden die einzelnen Receiver angeschlossen, in einem Vierfamilienhaus also beispielsweise die jeweiligen Empfänger der Familien Schulze, Klöbner, Brombach und Spring-Brauner. Jede dieser vier Familien hat in ihrer Wohnung einen eigenen Satelliten-Empfänger (Receiver). Während Familie Schulze beispielsweise PRO 7 guckt, genießt Dr. Köbner den absolut sauberen Stereoklang von Sky-Radio, verfolgt Fußballfan Lutz Brombach dank des angeschlossenen Decoders unverschlüsselt das Spiel der Woche von Premiere und verfolgt Michael Spring-Brauner gebannt die Börsennotierungen auf CNN. Vorteil: Jede Wohnung hat einen eigenen Satelliten-Empfänger, der so arbeitet, als hätte jede von ihnen eine eigene Schüssel auf dem Dach, an der Wand oder auf dem Balkon. Statt des Schüsselwaldes benötigt man aber nur eine einzige Schüssel. Das ist preiswerter und sieht obendrein nicht so wild aus.
Nicht mehr ganz neu aber immer noch weitgehend unbekannt sind feststehende Schüsseln, die gleichzeitig bis zu vier unterschiedlich positionierte Satelliten empfangen können. Sehr interessant, wenn Sie ASTRA und EUTELSAT gleichzeitig empfangen wollen (beispielsweise VIVA, Euronews, Sf-Channel und Super Channel von EUTELSAT und Cartoon Network und CNN von ASTRA).
Im nächsten Kapitel kommen wir nach diesen einführenden Kapiteln zum Kern des Pudels, dem Aufbau der eigentlichen Anlage zum Empfang der Satelliten-Programme. Mehr über das ASTRA- und das EUTELSAT-System, die Ihnen mit einer einzigen auf einen Punkt ausgerichteten 60-80 cm-Schüssel bis zu jeweils 20 Fernsehprogramme und einige Radioprogramme in bester UKW-Qualität ins Haus bringen können, erfahren Sie in den Kapiteln 7 und 8.