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INFO - INFORMATION NETWORK FOR ONLINERS


Es muß nicht immer Kabel sein ...


Kapitel 4

Vor dem Kauf

In den ersten Abschnitten dieses Kapitels gehen wir davon aus, daß Sie eine private Schüssel - ausschließlich für eine Wohnung - aufstellen möchten. Im Anschluß daran schauen wir uns kurz die Möglichkeiten an, mehrere Satelliten zu empfangen bzw. mehrere Wohnungen (oder Räume) mit einer Schüssel zu versorgen. Zunächst aber zur einfachsten Anlage.

Als interessanten Satelliten haben Sie sich für das ASTRA-System auf 19,2 Ost oder EUTELSAT auf 13 Ost entschieden. Das ASTRA-System soll irgendwann einmal in der Endphase über sechs oder mehr Satelliten verfügen, die mehrere hundert Fernsehprogramme (teils in digitaler Norm) ausstrahlen können und die mit einer einzigen Schüssel zu empfangen sind. EUTELSAT will ebenfalls drei Satelliten mit jeweils 16 - 18 Kanälen auf 13 Ost positionieren. Leider hat sich ASTRA zum Scrambeliten-System entwickelt. Das heißt: von den über 50 TV-Programmen, die Sie angeblich über ASTRA zu empfangen können, sind mehr als die Hälfte verschlüsselt (englisch: scrambled” oder encrypted“) und nur gegen eine zusätzliche Gebühr zu empfangen - wenn überhaupt. EUTELSAT bietet auf 13 Ost derzeit über 16 Übertragungs-Kanäle (Transpondern) 13 frei empfangbare internationale Programme. Wenn alles geklappt hat, sind im August 1994 weitere 18 Transponder hinzugekommen.

Die Anschaffung einer einfachen Direktempfangsanlage ist heute fast einfacher als der Kauf einer Waschmaschine. Anlagen und Beratung erhalten Sie in Rundfunk-/TV-Fachgeschäften, Warenhäusern, Baumärkten und auch Versandhäusern. Bevor Sie aber ins Warenhaus gehen und sich die erste beste Anlage kaufen, sollten Sie dieses und das folgende Kapitel lesen. Es gibt nämlich einige Dinge, die beim Kauf einer solchen Anlage zu beachten sind.

Für den Empfang der freien Programme der ASTRA- oder EUTELSAT-Satelliten benötigen Sie:

- eine Schüssel (Durchmesser s.u.)

- einen einfachen Umsetzer (LNC) für einen Frequenzbereich

- einen Empfänger mit etwa 50 Programmspeichern (oder mehr)

- ein Koaxial-(Antennen-)kabel mit 2 F-Steckern

- ein normales fertiges Antennenkabel zur Verbindung des Empfängers mit Ihrem TV-Gerät (kann auch durch eine AV-Verbindung ergänzt werden)

- eine Montagevorrichtung (Masthalterung, Fuß oder Wandbefestigung)

- für die Rundfunkprogramme zwei Cinch-Verbindungskabel zwischen Satelliten-Receiver und Stereoanlage (ggf. Adapter).

Dies sind die Minimalanforderungen. Die meisten genannten Teile sind im Schüsselpaket bereits enthalten. Zusätzlich muß meist das Kabel mit den beiden F-Steckern gekauft werden. Je nachdem, wo und wie die Schüssel plaziert werden soll, müssen Sie auch noch für die Masthalterung bzw. den Fuß sorgen. In den folgenden Abschnitten schauen wir uns die einzelnen Bauteile der Satelliten-Empfangsanlage einmal etwas genauer an und sagen Ihnen, worauf Sie beim Kauf achten müssen. Am Ende dieses Buches finden Sie eine Checkliste, in der Sie Ihre Anforderungen ankreuzen und damit beim Kauf die richtigen Daten immer zur Hand haben.

Anlagen mit kleineren Schüsseln als 60 cm Durchmesser sollten Sie für den Hausgebrauch links liegen lassen. Für den vorübergehenden Einsatz beim Camping und unterwegs können diese Anlagen aber ausreichen. (Sie bergen nur die Gefahr, daß aufgrund des Öffnungswinkels auch Signale von benachbarten Satelliten mitempfangen werden, was zu Störungen führt, wenn beide Satelliten auf gleichen Frequenzen ein Programm ausstrahlen.)

Die Schüssel

Dieses Teil (eigentlich Parabol-Spiegel“ oder Parabol-Antenne“) hat den Satelliten-Empfangsanlagen ihren Spitznamen verpaßt: eine solche Antenne sieht meist aus wie eine aufrecht stehende flache Schüssel (oder ein Wok) mit einem langen Arm darunter oder einem Dreibein darauf.

Die Schüssel arbeitet nach ähnlichem Prinzip, wie der mitteleuropäische Schultrapper mit Brille oder Lupe sein Feuer entfacht: Die empfangenen Signale werden im Brennpunkt der Schüssel gebündelt und auf einen bestimmten Punkt reflektiert. An diesem Punkt sitzt (am Ende des langen Arms) der Umsetzer, der LNC oder LNB (Low Noise (Block) Converter). Übrigens schadet es dem Empfang keineswegs, wenn die Schüssel durchlöchert ist, so kann sich zumindest kein Wasser in der Schüsselrundung stauen und den Empfang beeinträchtigen, die Schüssel bietet einen geringeren Windwiderstand und ist leichter als ein massives Modell. Nachteilig wirkt sich bei den Mesh“-Schüsseln die Löcherung nach Meinung von einigen Experten allerdings bei Frost aus: Eingedrungenes Wasser kann gefrieren und dabei die Form der Schüssel so verändern, daß sich der LNC nicht mehr im Brennpunkt der Schüssel befindet, so daß es zu einer deutlichen Verschlechterung des Empfanges kommen kann - was am verstärkten Auftreten von Fischen“ - kurzen waagerechten schwarzen oder weißen Strichen im Bild - auf dem Bildschirm erkennbar wird. Gleiches gilt für schwarze Schüsseln aus Blech in direkter Sonneneinstrahlung. (Ein Sonnenschirm kann allerdings helfen, das Schlimmste zu vermeiden, ein Empfang ist trotzdem möglich.)

Worauf sollten Sie bei der Schüssel achten, damit Sie die gewünschten Programme in Ihren Fernseher bekommen?

Prinzipiell muß zwischen drei verschiedenen Schüsseln unterschieden werden: Prime-Focus-Schüsseln , Offset-Schüsseln und Flachschüsseln. Die Prime-Focus-Schüssel ist so etwas wie die Mutter aller Schüsseln, und das gleich in zweifacher Hinsicht. Erstens war sie die erste Schüssel, die überhaupt den Empfang von Satellitenprogrammen ermöglichte, und zweitens ist die Offset-Schüssel in Wirklichkeit nur ein Teil von ihr.

Die Prime-Focus-Schüssel

Die Prime-Focus-Schüssel ist rund. Das ist das erste Merkmal. Zweites Erkennungszeichen: der LNB sitzt über der Mitte der Schüssel, denn der Brennpunkt (Prime Focus) sitzt bei diesen Schüsseln genau in der Mitte. Das heißt, der LNB muß, wenn er die reflektierten Signale empfangen will, in der Mitte der Schüssel sitzen.

Und das tut er auch, meist auf einem Dreibein-Gestänge. Dadurch liegt der LNB und das Gestänge aber im Weg der Signale auf die Schüssel, was zu (kleineren) Empfangseinbußen oder Störungen führen kann. Weiteres Kennzeichen einer montierten Prime-Focus-Antenne: Sie liegt deutlich weiter nach hinten geneigt als eine Offset-Schüssel, da hier die Satelliten-Signale genau senkrecht auftreffen müssen. Und der letzte Punkt: sie ist größer als eine vergleichbare Offset-Schüssel.

Die Offset-Schüssel

Damit sind wir auch bereits bei der Tochter, der heute normalen“ Schüssel: dem Offset-Spiegel. Von der Form her meist deutlich erkennbar: die Offset-Schüssel sieht aus wie ein Osterei, sie ist oval.

In Wirklichkeit ist die Offset-Schüssel nur ein Ausschnitt aus einer viel größeren Prime-Focus-Schüssel, wie die nebenstehende Abbildung zeigt. Das untere Ende der Offset-Schüssel liegt also unmittelbar über dem Brennpunkt der Prime-Focus-Schüssel.

Die Offset-Schüssel hat neben ihrer etwas geringeren Größe den Vorteil, daß sie fast senkrecht ausgerichtet wird. Das ist möglich, weil hier die Satelliten-Signale in einem sehr spitzen Winkel auftreffen und dann auf einen Brennpunkt reflektiert (gespiegelt) werden, der nicht in der Mitte, sondern unten vor der Schüssel liegt. So kann auch der LNB vor dem unteren Ende der Schüssel montiert werden und liegt somit nicht mehr im Empfangsbereich“ der Schüssel. (Nebenbei ragt das empfindliche Ende des LNBs nicht nach oben und ist so nicht der kalten Luft und anderen Witterungen extrem ausgesetzt (besonders im Winter), sondern befindet sich nahe am (meist geschützteren und wärmeren) Erdboden. Günstig ist die Offset-Schüssel also wegen der aufrechten Haltung (es lagert sich im Winter nicht so schnell Schnee auf der Schüssel ab) und dem außen liegenden LNB, der keine Signale verdeckt, die ansonsten die Schüssel erreichen könnten. Was den Signal-Ertrag“ angeht, erreicht eine Offset-Schüssel 75 - 80%, während eine Prime-Focus Antenne etwa 55% nach Hause bringt.

Die Flachantenne

Als letzte und jüngste (obwohl gar nicht mehr so neue) Schüsselart sei noch kurz die Flachschüssel erwähnt, die in erster Linie für Campingempfang eingesetzt wird oder für den Empfang der leistungsstarken High-Power-Satelliten TDF und TV-Sat1. Diese Schüsseln sind grundsätzlich anders aufgebaut als die normale Schüssel, sie können nämlich nur eine Polarisationsebene empfangen. Aber auch für ASTRA bietet die Firma Technisat in Daun beispielsweise die unauffälligeren kleinen flachen Satennen“ an. Weitere Informationen erhalten Sie bei TechniSat, D-54550 Daun.

Größe zeigen?

Zum Empfang der ASTRA-Satelliten genügt in unseren Breiten bereits eine Schüssel mit 35 - 80 cm Durchmesser. 60 bis 80 cm Durchmesser ist ein guter Wert. Eine 90-cm-Schüssel ergibt bessere Reserven für den Empfang bei schlechter Witterung.

Beim ersten EUTELSAT (II-F1) und allen anderen EUTELSATs mit der römischen II im Namen ist für bestimmte Kanäle eine Schüssel mit einem Durchmesser von 80 cm bis zu einem Meter sinnvoll. 80 bis 90 cm sind hier eigentlich die guten Werte, wenn es Ihnen bei schlechtem Wetter auf ein paar Störungen in den schwachen Programmen (z.B. Euronews) nicht ankommt.

Nachbarn können stören

Ein wichtiger Wert für Schüsseln ist auch der Öffnungswinkel, daß heißt: wie breit der Bereich im Weltall ist, von dem aus die Satelliten-Signale von der Schüssel empfangen werden. Ist er zu breit, ist die Gefahr groß, daß auch Signale von Nachbarsatelliten“ empfangen werden und eventuell den Empfang stören können (wenn auf gleichen Frequenzen gesendet wird). Dies ist besonders bei einer kleinen Schüssel von unter 60 cm zu berücksichtigen.

Jetzt wird es ein kleines bißchen technisch, aber keine Panik, es sieht schlimmer aus, als es ist, und die wirklich technischen Einzelheiten wie die Berechnung des notwendigen LNBs lassen wir beiseite und gehen ganz einfach davon aus, daß unser LNB ein Rauschmaß von maximal 1,4 dB hat (1,0 dB oder darunter wäre sogar noch besser). Jetzt gehen wir nämlich daran, selbst die optimale Antenne für einen bestimmten Satelliten genau zu berechnen. Natürlich erfahren Sie auch, welche Informationen Sie dafür brauchen (falls Sie es genau wissen wollen und sich nicht auf die allgemeinen Angaben verlassen wollen). Im Prinzip können Sie sich ja auch auf die allgemeinen Größen-Angaben für die beliebtesten Satelliten verlassen, aber vielleicht interessiert es Sie ja, wie diese Werte zustande kommen, wovon sie abhängen und was es mit diesen merkwürdigen Footprints“ auf sich hat. Sollte Sie das nicht interessieren, treffen wir uns beim LNB weiter unten im Kapitel wieder.

Wir wollen jetzt einmal die erforderliche Schüsselgröße für den Empfang RTL 2 auf EUTELSAT II-F1 berechnen, weil hier die meisten unterschiedlichen Kriterien zum Einsatz kommen. Was brauchen wir dafür?

1. Eine Footprintkarte für die Satellitenleistung

2. Einen Transponderplan - eine Übersicht der eingesetzten Übertragungskanäle (für den Ausleuchtmodus und Klärung, ob ein halber oder ein ganzer Transponder genutzt wird (auch das gibt es).

Beides wird immer wieder in Satelliten-Zeitschriften veröffentlicht, kann aber auch bei den Infostellen der Satellitenbetreiber angefordert werden (siehe Infoquellen, Kapitel 14). Für unser Beispiel finden Sie hier die Footprintkarten für die EUTELSAT II-irgendwas-Satelliten, also auch für II-F1, und einen Ausschnitt aus der Transpondertabelle. Zwei sind es, weil die EUTELSATs (und die meisten anderen Satelliten) über verschiedene Transponder verschiedene Empfangsgebiete versorgen können.

Das Gebiet, das der Satellit erreicht, ist seine Ausleuchtzone. (So als würden Sie statt des Satelliten mit einer überdimensionalen Taschenlampe auf die Erde leuchten.) Und genau diese Ausleuchtzone stellen die Footprintkarten dar. (Die äußere Linie des mehr oder weniger ovalen Fußabdrucks ist die Grenze der Ausleuchtzone.) Die anderen Linien innerhalb dieser Zone geben zusätzlich an, in welchem Gebiet innerhalb dieser Ausleuchtzone der Satellit wie stark empfangen werden kann. Die Empfangsstärke wird dabei in dBW angegeben (Dezibel bezogen auf 1 Watt). Footprints heißen diese Dinger übrigens, weil sie je nach Ausleuchtzone mehr oder weniger so aussehen wie ein gigantischer Fußabdruck.

Transpondertabelle EUTELSAT II-F1 (Auszug)

Tp-Nr Frequenz Programm Audio Beam

20A 10.972 H Eurosport 6.65, 7.20 dt; 7.20 engl.; Super 7.38 niederl.

20B 11.005 H VIVA 6,65 (Mono) Super 7.02/7.20

21A 11.055 H Kabelkanal digital Super (D2MAC)

21B 11.095 H RTL 2 6.65 (Mono) + 7.02/7.20 Super

22A 11.146 H Übertragungen div. Super

25A 10.987 V NBC- 6.65 engl. Wide Super Channel 7.02 engl./niederl.

7.20 engl./dt.

Und was zum Kuckuck bedeuten jetzt wieder die Angaben Super“ oder Wide“ unter der ominösen Rubrik Beam“? Die Transponder (Übertragungskanäle) der EUTELSAT-II-Satelliten können zwei verschiedene Taschenlampen" benutzen: den Widebeam und den Superbeam. Während die Superbeam-Transponder ein auf Mitteleuropa beschränktes Sendegebiet (dafür aber mit stärkerer Empfangsleistung) versorgen, kann der Widebeam auch noch in weiten Teilen Osteuropas empfangen werden. Dafür sind die auf diesen Transpondern übertragenen Programme in unseren Breiten aber deutlich schwächer (um 5 dBW) als die über Superbeam übertragenen. Derzeit (Mitte 1994) werden im Widebeam über EUTELSAT II-F1 die Programme von NBC-Super Channel, DW-TV, Worldnet/C-Span, TV5, MTV und Euronews übertragen. Im Superbeam die Programme VIVA, Eurosport, RTL 2, EDTV, Landscape Channel, MBC und TRT. Schauen Sie sich die beiden Footprints an, sehen Sie unten in jedem eingezeichneten Kreis eine Angabe in dBW, das ist die Empfangsstärke. In vielen technischen Angaben zu den Satelliten wird sie als EIRP bezeichnet. Das steht für den hübschen englischen Ausdruck Equivalent Isotropically Radiated Power“, also etwa gleichwertige isotopisch ausgestrahlte Energie“. Ähnlich wie beim UKW-Sender ist in näherer Umgebung des Mittelpunktes das Signal stärker als in den weiter entfernten Gebieten. Beim Satelliten ist der stärkste Empfangsbereich die Kernzone, dann wird der Empfang nach außen hin immer schlechter - sprich, es müssen größere Schüsseln verwendet werden. ASTRA und EUTELSAT sind europäische Satelliten, deren Kernzone daher auf Mitteleuropa liegt.

Vergleichen Sie jetzt ruhig einmal die Werte und Empfangsbereiche der beiden Footprints. Wir liegen in beiden Fällen in der Kernzone. RTL 2 wird über EUTELSAT II-F1 über Transponder 21B im Superbeam ausgestrahlt. Das heißt, das wir laut Footprint RTL 2 in unseren Breiten mit 52 dBW empfangen könnten. Aber das B hinter der 21 informiert uns darüber, daß RTL 2 nicht allein auf seinem Transponder ist. Es ist nämlich möglich, über einen Transponder zwei verschiedene Programme abzustrahlen. Dies nennt sich dann bei EUTELSAT entweder Doppel- oder Halbtransponderbetrieb, erkennbar an den Buchstaben A oder B hinter der Transpondernummer.

Wird der zugehörige Transponder, in diesem Falle also 21A

- für die Ausstrahlung eines weiteren Fernsehprogramms genutzt, müssen wir von der Empfangsstärke (die im Footprint angegeben ist)

4,5 dBW abziehen,

- nur für Verbindungen zwischen Außenstudios oder Reportern und der Sendeanstalt (also für sogennannte Feeds oder Übertragungen) genutzt, müssen wir nur 1,5 dBW abziehen.

Der Transpondertabelle für EUTELSAT II-F1 entnehmen wir, daß Transponder 21A mit dem Kabelkanal belegt ist, also einem Fernsehprogramm. Das bedeutet: wir müssen von den im Footprint angegebenen 52 dBW 4,5 dBW abziehen:

EIRP (Empfangsstärke) von RTL 2: 52 dbW - 4,5 dBW = 47,5 dBW.

Das heißt, wir haben in unseren Breiten eine Empfangsstärke für RTL 2 von 47,5 dBW. Jetzt konsultieren wir die zweite Tabelle (die wir von EUTELSAT übernehmen, um uns die Rechnerei zu ersparen):

EIRP - empfohlene Schüsselgröße

laut Footprint EUTELSAT ASTRA

52 - 49 dBW 60 - 80 cm 60 - 85 cm

48 + 47 dBW 80 cm 80 - 99 cm

46 dBW 90 cm 0,90 - 1,20 m

45 dBW 1 m 1,00 - 1,20 m

44 dBW 1,10 m 1,00 - 1,35 m

43 + 42 dBW 1,20 - 1,30 m 1,20 - 1,50 m

41 dBW 1,50 m 1,20 - 1,80 m

40 + 39 dBW 1,80 m 1,35 - 2,40 m

Ab 38 dBW geht es dann in den 2- und 3-Meter-Bereich, den wir hier wohl vernachlässigen können. Alle diese Werte beziehen sich auf Einzelschüsseln.

Die Werte sind berechnet für EUTELSAT mit einer Bandbreite von 36 MHz pro Transponder (bzw. bei den sieben doppelt nutzbaren: pro Halbtransponder); aber auch für andere Satelliten wie ASTRA, die mit einer Bandbreite von 26/27 MHz arbeiten, können diese Angaben als Näherungswerte dienen (wie die Werte in der dritten Spalte zeigen).

Der Umsetzer (LNB/LNC)

Dieses Bauteil empfängt die von der Schüssel gebündelt reflektierten Satellitensignale und übersetzt sie in elektronische Signale, die der Empfänger versteht. (Korrekter müßte man sagen, daß die sehr hohen Frequenzen der Satellitensignale auf niedrigere Frequenzbänder umgesetzt werden.) Sie können die LNBs der Schüssel also nicht direkt an Ihren Fernseher anschließen - es sei denn, Ihr Gerät sei eines der selteneren Modelle, die bereits einen Satelliten-Receiver eingebaut haben. Für den Empfang der ASTRA-Satelliten genügt ein einfacher LNB. (Für den Empfang aller freien Programme des Telekom-Satelliten Kopernikus benötigen Sie entweder 2 LNBs oder einen Doppelkonverter, da dieser Satellit netterweise seine Programme (noch etwa 8 TV-Programme) auf zwei unterschiedlichen Frequenzbändern ausstrahlt.) Die Tatsache, daß Satellitenprogramme unterschiedlich polarisiert sind, braucht Sie nicht weiter zu beunruhigen - diese Umschaltung nimmt der Receiver meist für Sie automatisch vor, und sie ist sehr einfach einzustellen: Es gibt hierbei nur zwei Schaltmöglichkeiten: V (oder Vert. für Vertikal) oder H (oder Hor. für Horizontal). Diese Polarisationsebenen“ werden immer mit der Frequenz des jeweiligen Senders angegeben. Also für RTL 2 auf EUTELSAT II-F1 beispielsweise: 11.095 GHz H. Bei den meisten Empfängern - beispielsweise den Amstrad-Systemen - sind die Frequenzen der ASTRA- Kopernikus- und EUTELSAT-Programme einschließlich der Polarisation bereits vom Hersteller aus fertig einprogrammiert. Aber keine Bange, die Vorprogrammierungen können Sie jederzeit nach Ihren Wünschen ändern.

Achten Sie auch unbedingt auf die Rauschzahl dB-Angabe bei den LNBs, die wichtig für die Empfangsqualität ist. Hier sollte der Wert unbedingt mit einer 0 und einem Komma beginnen, also 0,9 oder kleiner sein. (Auch hier sieht man die rasende Entwicklung in der Satelliten-Empfangs-Technik: Lagen die normalen Werte für LNBs 1987 noch bei rund 2 dB, waren schon 1991 LNBs mit 1,3 - 1,6 dB durchaus üblich.)

Die Verbindung

Vom LNB aus werden die Signale dann mit einem gut abgeschirmten Antennenkabel zum eigentlichen Empfänger, dem Satelliten-Receiver, der in Ihrer guten Stube steht, transportiert. (Bei einigen Systemen ist darüber hinaus möglicherweise neben dem Antennenkabel noch ein zusätzliches Schaltkabel erforderlich, mit dem zwischen verschiedenen Empfangsbereichen umgeschaltet wird - das Umschalten selbst übernimmt der Empfänger. Aber diese Systeme bilden heute eher die Ausnahme.) Dieses Antennenkabel gehört häufig nicht zum Inhalt des Komplettpaketes. Achten Sie also auf die Inhaltsangabe des Schüsselkartons (bzw. der Anlagebeschreibung). Meist gibt es aber im gleichen Haus, in dem Sie die Empfangsanlage kaufen, auch Verbindungskabel, fertig montiert mit den F-Steckern an beiden Enden (beispielsweise 25 m für etwa 50.- DM). Anderenfalls wird Ihnen sicherlich die Serviceabteilung des Elektrohauses (TV-/oder Zubehörabteilung) oder Ihr Fachhändler gerne ein Kabel mit der von Ihnen gewünschten Länge zuschneiden und die beiden F-Stecker montieren. Sie sollten das Antennenkabel jedoch unbedingt so kurz wie möglich halten, denn zusätzliche Schlingen verschlechtern - wie bei allen Antennenzuführungen - die Bild- und Tonqualität. Ab 25 Meter werden zusätzliche Zwischenverstärker erforderlich. Achten Sie beim Kauf des Antennenkabels auch auf eine gute Abschirmung (mindestens doppelte).

Die Schaltzentrale: der Empfänger

Der Empfänger oder Satelliten-Receiver ist das Herzstück, die Steuerzentrale der ganzen Anlage. Hier entscheidet sich, welche Programme wie empfangen werden können, hier werden die Programme eingestellt, hier wird der Decoder für verschlüsselte Programme (Pay-TV, etwa Teleclub oder Premiere) angeschlossen, hier werden Ton- und Bildträger getrennt. Wichtiges Kriterium für die Empfangsleistung eines Receivers: der Abstand zwischen dem eigentlichen Signal und den Nebengeräuschen“. Dieser Schwellwert des Receivers gibt an, wie schwach ein Satellitenprogrammsignal im Verhältnis zum Rauschen“ sein kann, um vom Receiver noch zu Bild & Ton verarbeitet werden zu können. Angegeben wird dieser C/N-Wert (Carrier/Noise = Träger/Rauschen) in Dezibel (dB). Normal sind heute 8 dB, gute Receiver haben sogar Werte von unter 7 dB. Von einem Receiver mit einem C/N-Wert von über 8 dB können Sie also getrost die Finger lassen.

Bild und Ton - zwei Paar Schuhe

Im Gegensatz zum Kabel können beim Satelliten zu jedem übertragenen Bild mehrere Tonprogramme übertragen werden, ähnlich dem Zweikanalton beim herkömmlichen Fernsehen (nur weitaus besser). Beispielsweise können Sie bei den TV-Programmen Eurosport und Euronews den Kommentar in verschiedenen Sprachen empfangen: englisch, deutsch, französisch oder niederländisch. Hier stehen die sogenannten Tonträger in direktem Zusammenhang zum gesendeten Bild, aber das muß nicht unbedingt so sein. Auf einigen Tonträgern können auch ganz andere Töne übertragen werden: Rundfunkprogramme in bester UKW- bzw. Stereoqualität. So findet man beispielsweise beim Fernsehprogramm PRO 7 nicht nur den zu PRO 7 gehörenden Ton, sondern auf einer anderen Frequenz auch das Programm von StarSatradio. Ob Sie nun gerade ein Radioprogramm hören oder das eingestellte TV-Programm mit dem dazugehörigen Ton verfolgen wollen, das stellen Sie über den Receiver ein. Mit einem einzigen einfachen Receiver können Sie aber immer nur entweder den TV-Ton oder den Radioton zur gleichen Zeit empfangen. (Natürlich können Sie Radioprogramme genauso auf einem Programmplatz speichern wie TV-Programme. Und für den Genuß der Radioprogramme brauchen Sie Ihren Fernseher nicht unbedingt. Sie können sie auch über Ihre Stereo-Anlage hören. Wie das geht, erfahren Sie im Kapitel 5.

Worauf sollten Sie also beim Kauf des Receivers achten?

Wie man so schön sagt: Das kommt ganz darauf an.“ Es kommt darauf an, welche und wie viele Programme Sie sehen und/oder hören wollen. Schauen wir uns das einmal im einzelnen an:

Die einfache Ausführung

Eine ganz einfache ASTRA-Anlage mit 60-Zentimeter-Schüssel ist zu empfehlen, wenn es Ihnen nur darum geht, SAT.1, RTL Television, RTL 2, PRO 7 und 3SAT oder die beiden Sportkanäle zu empfangen. Sie empfangen mit der Anlage alle unverschlüsselten TV-Programme, aber nicht unbedingt auch alle Hörfunkprogramme der ASTRA-Satelliten. Der mitgelieferte Empfänger hat etwa 99 Programmplätze - für die zwanzig oder dreißig TV- und Radio-Programme völlig ausreichend, die die ASTRA-Satelliten 1A bis 1C letzten Endes unverschlüsselt ausstrahlen.

(ASTRA 1D und 1E senden auf Frequenzen, die außerhalb des Empfangsbereiches der meisten älteren und einiger neuer Receiver liegen. Das ist aber kein großer Verlust, denn voraussichtlich werden über ASTRA 1C und 1D neben weiteren Pay-TVs (von Sky und Premiere) in erster Linie Programme digital ausgestrahlt.

Während es für den Empfang der ASTRA-1D-Frequenzen mit alten Receivern bereits Abhilfe in Form kleiner Umsetzer, die zwischen LNB und Receiver gesteckt werden, oder anders arbeitender LNBs gibt, können die digitalen Sendungen mit der heutigen Ausrüstung nicht mehr empfangen werden. Daneben halten 1D und 1E Reserve-Kanäle für die ersten drei Satelliten bereit).

Die Frequenzen sind auch bei den preiswerten Anlagen meist schon vom Werk aus einprogrammiert, aber nicht unbedingt auf dem letzten Stand, da zwischen der Programmierung und dem Zeitpunkt, da Sie den Receiver kaufen, schon einige Zeit ins Land gegangen sein wird. Der Anschluß eines Decoders (beispielsweise für Teleclub oder Premiere) ist meist - wenn auch nur über Scartbuchse - möglich. (Decoder für Satelliten-Programme sind besonders bei neuen Programmen mitunter Mangelware - es kann also etwas dauern, bis Ihr Decoder geliefert wird.)

Die Auswahl der Tonträger ist bei den preiswerten und billigen Geräten meist auf eine begrenzte Anzahl vorprogrammierter Bereiche beschränkt. Sie können zudem lediglich ein TV-Programm mit dem dazugehörigen Ton genießen oder ein Radioprogramm hören. Es gibt allerdings Receiver, bei denen es gar nicht möglich ist, die Tonfrequenz unabhängig vom der Videofrequenz einzustellen. Diese Receiver haben ein für alle Mal den TV-Ton auf die Frequenz 6,50 MHz festgelegt. Dummerweise wird diese Frequenz von n-tv und den öffentlich-rechtlichen Sendern inzwischen nicht mehr benutzt. Also: Finger weg von diesen Receivern.

Das automatische Drehen einer Motor-Antenne ist bei diesen einfachen Receivern ebenfalls nicht im Programm. (Da die Schüssel aber auf 19,2 Ost ausgerichtet alle ASTRA-Satelliten empfängt, oder auf 13 ausgerichtet die beiden EUTELSATs II-F1 und II-F6, braucht die Schüssel beim Empfang von entweder ASTRA oder EUTELSAT auch nicht gedreht zu werden. Lediglich wenn Sie beispielsweise ASTRA und EUTELSAT empfangen wollen, müssen Sie andere Wege beschreiten, die mit dieser einfachen Anlage nicht mehr realisierbar sind. Andere Satelliten sind derzeit mit einer 60-cm-Schüssel nicht in ansprechender Qualität empfangbar.)

Wollen Sie sicher gehen, daß Sie alle frei empfangbaren Sender von ASTRA 1C und 1 D empfangen können, sollten Sie darauf achten, daß der Receiver entweder mit 2GHz“-Technik ausgestattet bzw. ASTRA 1D kompatibel“ ist oder einen Eingangs-Frequenzbereich von 700 bis 2050 MHz besitzt (bei den technischen Daten meist unter HF-Teil oder unter Video zu finden).

Die einfachen (und älteren) Receiver können auch meist nicht auf bestimmte Zeiten und Sender vorprogrammiert werden.

Eine Niedrigpreis-Anlage mit einer 60 cm-Schüssel und einem einfachen Receiver (mit möglicherweise nur 32 Programmspeichern) ist bereits für knapp 300.- DM erhältlich.

Worauf sollten Sie beim Receiverkauf achten?

Mit dem ausgebauten ASTRA-System (ASTRA 1A bis 1D) wird es theoretisch möglich sein, etwa 100 TV-Programme zu empfangen (von denen die weitaus meisten allerdings digital, verschlüsselt und/oder nur für bestimmte Länder ausgestrahlt werden), ohne die Schüsseleinstellung zu verändern. Interessieren Sie die meisten ausländischen Programme nicht (die leider bei ASTRA ohnehin verschlüsselt sind), gehören Sie zum Großteil der Zuschauer, die üblicherweise maximal fünfzehn Programme nutzen. In diesem Fall sind Sie mit einem Empfänger, der über 48 Programmplätze verfügt, gut bedient. (Sie können gegebenenfalls die Programmierung so ändern, daß die für Sie interessanten Programme auf den ersten 15 Programmspeichern liegen. Wie das geht, erklären wir Ihnen im Kapitel 5 in diesem Buch.) Sind Sie TV-Fan und interessieren sich auch für andere Länder und ihre TV-Programme, sollten Sie darauf achten, daß Ihr Receiver zukunftssicher ist. Unter Berücksichtigung des zu erwartenden Zuwachses an Satelliten-Programmen (Radioprogramme nicht vergessen!) und der Möglichkeit, andere Satelliten anzupeilen, sollten Sie dann schon einen Empfänger mit 2-GHz-Technik, sprich einem Empfangsbereich von beispielsweise 700 MHz bis 2050 MHz, und mindestens 199 Programmplätzen wählen. Damit können Sie beispielsweise (solange es noch unverschlüsselt ausgestrahlt wird) das niederländische Programm rtl V von ASTRA 1C und - so es denn das eine oder andere unverschlüsselte Programm geben sollte - auch von ASTRA 1D empfangen. Auch sollten Sie sich die Möglichkeit offenhalten, einen zusätzlichen Receiver anzuschließen (mehr dazu am Ende dieses Kapitels). Dies ist dann besonders wichtig, wenn Sie die Anlage in einigen Jahren für die von ASTRA 1D ausgestrahlten Digital-TV- und Radio-Programme ausbauen wollen. Unser heutiges Fernsehen wird in PAL (oder SECAM) ausgestrahlt, für den Digital-Empfang werden einige Zusatzteile notwendig, auch andere LNBs und Receiver. Beides ist heute noch nicht (zu akzeptablen Preisen) erhältlich.

Für Hörfunk-Freunde

Wollen Sie als Radiofreund sicher sein, auch alle Hörfunksender empfangen zu können, müssen Sie beim Kauf der Anlage unbedingt darauf achten, daß die Tonträger frei einstellbar sind und der Tonträger-Frequenzbereich über 7,56 MHz hinausgeht. Am besten sollten die Tonträgerfrequenzen stufenlos einstellbar sein zwischen 5,5 und 8,5 MHz. Zudem sollten Sie die Möglichkeit haben, die Audiobandweite auf weit oder eng einzustellen, da die Frequenzen außer 6,50 MHz (also meist 7,38, 7,56, 7,74 und 7,92 MHz) einen sehr schmalen Frequenzbereich nutzen. Bei generell weiter Einstellung kann es sein, daß die Radioprogramme auf diesen Frequenzen nicht störungsfrei empfangen werden können. Bei einem Receiver mit beispielsweise sieben fest einprogrammierten Tonträger-Frequenzen könnte es Ihnen auch passieren, daß Sie neu auf den Satelliten kommende Hörfunksender (oder bereits sendende) überhaupt nicht empfangen können. Eine gute Möglichkeit, dies herauszufinden, ist die Frage (oder besser lassen Sie es sich demonstrieren), ob mit dem Receiver auch Supergold empfangen werden kann. Dieses englische Oldies-Programm sendet via ASTRA auf der hohen Frequenz 7,92 MHz (beim TV-Programm Sky News, 11.377 GHz Vertikal). Die alten Amstrad-Receiver beispielsweise konnten nur voreingestellte Tonfrequenzen bis maximal 7,56 verarbeiten. Auch Exotische Frequenzen wie 7,84 MHz, die teilweise von Kaufhaus-Radios (Non-Stop-Musik) genutzt werden, wären somit ebenfalls nicht zu empfangen. Interessant für Radio-Freunde sind auch Receiver mit einem getrennten Bereich für Radioprogramme (nicht zu verwechseln mit einem Digital-Rundfunk-Empfänger).

Sollten Sie irgendwie in den Besitz einer Anlage mit einem alten Amstrad Receiver oder einem ähnlich beschränkten“ Gerät gekommen sein und trotzdem alle Hörfunkprogramme empfangen wollen, können Sie dies durch den Austausch des Receivers erreichen, ohne den Rest der Anlage verändern zu müssen. Einen Receiver, den Sie problemlos gegen den alten austauschen können, ist der neue (gut aussehende und von Leistung und Bedienungskomfort stark verbesserte) Amstrad SRX350, der mit seinem Listenpreis von 399,- DM sicherlich nicht überbezahlt ist. (Angenehmer zu bedienen und besser durchdacht als manches seiner deutschen Gegenstücke ist er auf jeden Fall. Da gibt es beispielsweise Receiver, für die rund 200,- DM mehr hingeblättert werden müssen und die statt des gerade eingestellten Programmplatzes das Hersteller-Logo im Display anzeigen. Schöne Leuchtwerbung für den Hersteller, aber nicht sehr hilfreich für den Anwender. Dafür dürfen Sie sich dann bei der Einstellung durch mehr als 10 Seiten mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten quälen.)

Auch der Image 1.000 mit 2-GHz-Technik und 199 Programmspeichern für rund 490 DM ist eine gute Wahl. Dieser kleine Receiver ist auch mit der 12V-Autobatterie im Urlaub einsetzbar. Er gehört daher auch zum Camping-Set von Satronic für 699,- DM (Polyester-Schüssel) bzw. 899,- DM (Alluminium-Schüssel). Infos bei Satronic b.v., Van Coehornstraat 16, NL-5916 PH Venlo.

Wie bereits am Anfang dieses Buches gesagt: diese Empfehlungen oder Hinweise sind Ergebnis rein persönlicher Erfahrungen und keine Ergebnisse technischer Versuchsreihen. Mir geht es lediglich darum, daß der Anwender Freude an seinem Gerät haben kann, ohne 12 Sylvester Einstellologie studiert haben zu müssen. Ich habe nicht allzu viel übrig für die Devise Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?“. Vielmehr finde ich es gelungen, wenn sich die normale Bedienung eines Gerätes selbst erklärt oder durch Logik erschließen läßt statt durch das Studieren einer 200seitigen Bedienungsanleitung. Daß der Bedienungskomfort und die Einstellmöglichkeiten dabei nicht auf der Strecke bleiben dürfen, versteht sich von selbst. Und Bedienungskomfort zeigt sich nicht daran, wieviel Knöpfchen und Lämpchen sich auf dem Gerät ein Stellmichein geben.

Muß es erstklassisch sein?

Für den Empfang der von Kopernikus 3 (und der möglicherweise auch von ASTRA 1D) ausgestrahlten digitalen Hörfunk-Programme (DSR-Paket) ist ein spezieller Digitalhörfunk-Empfänger, ein DSR-Receiver, unbedingt erforderlich. Diese DSR-Receiver, mit denen Sie ausschließlich die digitalen Radioprogramme des deutschen DSR-Paketes empfangen können - keine Fernsehprogramme - gibt es beispielsweise von Grundig, Amstrad und Technisat (ca. 500,- DM). Es gibt allerdings inzwischen auch Kombi-Geräte, mit denen Sie neben dem DSR-Paket auch die normalen terrestrischen Rundfunkstationen empfangen können. DSR steht für Digital Satellite Radio. Diese Übertragungsweise soll Ihnen Hörfunkprogramme in CD-Qualität ins Haus bringen. Momentan ist das ein recht exklusives Vergnügen, die Auswahl eher mäßig: Bayern 4 Klassik, S 2 Kultur, Radio Bremen 2/3, HR 2, NDR 3, Starsat Radio, Deutschlandradio, WDR 3, SR1 Europawelle Saar, RPR 2, Klassik Radio, radio ffn, Radioropa Info, MDR Sputnik und Radio Xanadu bzw. Antenne Bayern. Die aktuelle Programmbelegung finden Sie in Satelliten-Zeitschriften und im SAT.1-Text.

Für Videorecorder-Fans

P> Dummerweise kann mit einer normalen SDE-Anlage meist nur ein einziges Programm an den angeschlossenen Fernseher weitergegeben werden. Haben Sie einen normalen Videorecorder dazwischengesteckt, kann der Videorecorder auch immer nur das Programm aufzeichnen, das Sie auf dem Satelliten-Receiver eingestellt haben. Wollen Sie in Ihrer Abwesenheit ein Satellitenprogramm aufzeichnen, müssen Sie den Receiver vor dem Verlassen des Hauses einschalten und auf das gewünschte Programm einstellen. (Natürlich muß der Videorecorder noch ganz normal auf den Kanal des Satelliten-Empfängers programmiert werden.) Ein sehr stromintensives und umständliches Verfahren, da Sie auch so in Ihrer Abwesenheit immer nur Sendungen von einem einzigen Satellitenprogramm aufzeichnen können.

Inzwischen sind für Videofreunde programmierbare Satelliten-Receiver auf dem Markt, beispielsweise der bereits erwähnte Amstrad SRX 350. Eine (kostspielige) Alternative bietet die Möglichkeit für den Satelliten-Enthusiasten, die Satelliten-Programme mittels Umsetzer auf normale“ TV-Frequenzen umzusetzen (zumindest die zehn wichtigsten).

Eine andere Alternative ist ein Videorecorder mit eingebautem Satellitenrecorder, den man auch statt des Receivers (oder parallel dazu) direkt an die Schüssel anschließen kann. Ein Beispiel hierfür ist der VC-BS97GM von Sharp, den wir stellvertretend für die wenigen anderen seiner Sorte im Kapitel 13 (Was dazugehört“) vorstellen. Man kann mit diesem gut ausgestatteten Gerät natürlich auch normale TV-Programme (über Dachantenne) aufzeichnen und sich währenddessen ein von der Schüssel kommendes Programm auf dem angeschlossenen TV-Gerät anschauen.

Eine für alle - vier Receiver an einer Schüssel

Die folgenden Abschnitte seien besonders all denen ans Herz gelegt, die in einem Mehrfamilienhaus wohnen. Aber auch wenn Sie nicht alleine in der Wohnung oder im Einfamilienhaus sind oder gerne gleichzeitig ein Satelliten-Programm aufzeichnen und das andere live sehen möchten, dürften die folgenden Abschnitte intressant für Sie sein. Sie können nämlich mit einer Schüssel sogar einen ganzen Wohnblock versorgen, und jeder kann unabhängig vom anderen das Satelliten-Programm sehen (oder hören), auf das er oder sie gerade Lust hat.

Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen, bitte besprechen Sie, wenn möglich, mit Ihren Nachbarn (in Ihrem Block oder nur Ihrem Eingang) die Möglichkeit einer gemeinsamen Schüssel. Viele wissen gar nicht, daß es die Möglichkeit gibt, mit einer Schüssel 4, 16 oder mehr voneinander völlig unabhängige Receiver zu versorgen. Das spart Geld und sieht erheblich besser aus, als wenn an jeder Etage oder gar jeder Wohnung in jeder Etage eine Schüssel an der Wand hängt.

Wollen Sie an eine Schüssel mehrere Receiver in Ihrer Wohnung (beispielsweise 4) anschließen oder sollen mehrere Nachbarwohnungen (bis etwa 16) versorgt werden, unterscheidet sich der Aufbau der Schüssel ein wenig von der einfachen Anlage. Die Zahlen vier und 16 habe ich deshalb gewählt, weil es verschieden Verteilerbausteine gibt, darunter die Vierer- und 16er-Lösung.

Wir haben weiter oben erwähnt, daß die Satellitenprogramme in horizontaler und vertikaler Polarisation senden. Normalerweise werden beide Ebenen mit einem einzigen LNB empfangen, und der Receiver teilt dem LNB über eine Schaltspannung mit, welche Ebene er gerade empfangen will. Wären jetzt mehrere Receiver an einen LNB angeschlossen, die alle unterschiedliche Ebenen empfangen wollen, wäre der LNB ziemlich schnell am Ende. Daher werden bei Anlagen, an die mehrere Receiver angeschlossen werden, die beiden Ebenen von separaten LNBs empfangen. Das heißt: an der Schüssel befindet sich im Prinzip ein LNB für die horizontale Polarisation und einer für die vertikale. Im Prinzip deshalb, weil es inzwischen LNBs gibt, die zwei Anschlüsse haben: je einen für jede Polarisation. Wichtig aber ist: vom LNB gehen zwei Koaxialkabel zum Haus. Diese beiden Kabel werden jetzt nicht an den Receiver angeschlossen, sondern an einen Schaltkasten (eine MultiSwitchbox). In dieser Box treffen sich also horizontale und vertikale Ebene wieder. Die Box selbst hat je nach Bedarf vier oder 16 Anschlüsse, die aussehen wie die Anschlüsse am LNB. An diese Anschlüsse werden jetzt die einzelnen Receiver - wie bei der einfachen Anlage mit jeweils einem Koaxialkabel - angeschlossen. Statt des LNBs gibt jetzt die Schaltbox jedem Receiver die Ebene, die er über seine Schaltspannung anfordert. Jeder angeschlossene Receiver kann also unabhängig von den anderen ein beliebiges Programm empfangen. Müssen die Satellitensignale bis zu den angeschlossenen Receivern weite Kabelwege zurücklegen oder sind die Receiver schaltspannungsmäßig etwas schwach, empfiehlt es sich, Schaltboxen mit Verstärkern zu verwenden (die über ein externes Netzteil mit Strom versorgt werden).

Die kleinste Lösung ist übrigens eine Schüssel mit einem Doppel-LNB, an den zwei Receiver angeschlossen werden können. Hierbei werden wie bei der einfachen Anlage beide Polarisationsebenen über beide Anschlüsse abgegeben. Während das System mit den getrennten Ebenen und den Schaltboxen fast beliebig viele Receiver versorgen kann, ist bei den Doppel-LNBs mit zwei Receivern (oder einem Doppelreceiver wie dem Amstrad SRX 330) erst einmal das Ende der Fahnenstange erreicht.

Wollen Sie beispielsweise in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung einen Receiver im Wohnzimmer, einen Satelliten-Videorecorder zum Aufzeichnen, einen Receiver als Radio im Büro und einen im Schlaf- oder Kinderzimmer aufstellen, haben Sie die vier Anschlüsse der kleinen Multi-Switch-Anlage bereits vergeben. Überlegen Sie sich also, ob Sie wirklich mit einem Receiver genug haben oder ob es nicht besser ist, gleich die Lösung, die Ihnen mit den vier Anschlüssen für die Zukunft problemlos weitere Möglichkeiten bietet, zu wählen - auch wenn Sie nicht alle Anschlüsse vom ersten Tag an belegen.

Mehrere Satelliten?

Aber es ist nicht nur möglich, mehrere Receiver an eine Schüssel anzuschließen, Sie können auch mehrere Satelliten mit einer feststehenden (nicht zu drehenden) Schüssel empfangen. Wollen Sie beispielsweise die Programme von ASTRA und EUTELSAT II-F1 (oder auch anderen Satelliten) empfangen - wozu möglicherweise auch ein größerer Schüsseldurchmesser erforderlich ist - gibt es nämlich neben der Möglichkeit, eine Schüssel zu kaufen, die mit Hilfe eines Motors gedreht wird, auch die sogenannte Schiel-Lösung. Die Motor-Variante ist eine oder“-Lösung, weil immer nur entweder die eine oder eine (allerdings fast beliebige) andere Satellitenposition empfangen werden kann. Die Schiel-Lösung dagegen ist eine und“-Lösung, weil die eine und die andere(n) Positione(n) gleichzeitig empfangen werden können, allerdings bei mehr als zwei Positionen etwas aufwendig). Beides ist allemal günstiger, als bei Wind und Wetter auf den Balkon oder gar aufs Dach zu steigen und die Antenne auf einen anderen Satelliten auszurichten. Bei der neuesten oder“-Methode, mehrere Satelliten preiswert zu empfangen, wird nicht die Schüssel gedreht, sondern der LNB auf einer speziellen Schiene vor der Schüssel verschoben und empfängt so über den Schiel-Effekt verschiedene Satelliten - nur eben nicht gleichzeitig.

Ein Reveiver für zwei ...

Achten Sie also gegebenenfalls auch darauf, daß der Receiver bei der Oder-Lösung die Steuerung einer motorbetriebenen Schüssel übernehmen kann. Bei der Und-Lösung (der Schiel-Lösung) muß er über zwei LNB-Eingänge und ggf. eine 22 kHz-Umschaltoption verfügen. Nicht schlecht ist es auch, wenn der Receiver, mit dem Sie Programme von verschiedenen Satelliten(systemen) empfangen wollen, auch über eine Einstellung der Video-Bandbreite verfügt (Umschaltung zwischen 26 und 36 MHz) und den Videohub. Diese beiden Einstellungen erlauben Ihnen, den Receiver auf den unterschiedlichen Kontrast und die Stärke der empfangenen Fernsehbilder anzupassen und somit das Bild zu verbessern. Wie gesagt kein Muß, aber es ist eine Überlegung wert.

Und sie dreht sich doch

Je nach Receiver ist es bei Drehanlagen auch möglich, die Position eines Satelliten mit dem Programm zusammen einzuspeichern, so daß die Antenne automatisch auf den Satelliten ausgerichtet wird, der das angewählte Programm ausstrahlt. Nehmen wir beispielsweise an, Sie haben gerade PRO 7 (von ASTRA 19,2 Ost) gesehen und schalten auf dem Receiver auf NBC-Super Channel um, den Sie vom EUTELSATelliten II-F1 (13 Ost) empfangen (mit einer Schüsselgröße ab ca. 80- 90 cm möglich). Bei einer vollautomatischen Anlage sorgt der Receiver jetzt auch dafür, daß die Schüssel automatisch auf die EUTELSAT-Position dreht.

Unpraktisch und unter Umständen lebensgefährlich (das hängt von Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner ab) ist die Drehlösung allerdings spätestens, wenn mehrere Receiver an diese Schüssel angeschlossen sind. Da könnte beispielsweise die Frau des Hauses ausgesprochen unfreundlich reagieren, wenn er während der Soap-Oper auf RTL (ASTRA) die Schüssel von ASTRA auf EUTELSAT dreht. Hier bietet sich eine sogenannte Schiel-Lösung an. Damit können - wie gesagt: ohne die Schüssel zu bewegen - zwei (oder auch mehr) verschiedene Satelliten-Positionen gleichzeitig empfangen werden, also etwa ASTRA und EUTELSAT II-F1/II-F6.

Natürlich können die Programme aller empfangenen Satelliten auch an mehrere Receiver verteilt werden. Informationen und Angebote zu Schiel-Lösungen für den Anschluß von einem bis zu 16 Receivern (bzw. Wohnungen) erhalten Sie für Deutschland, Österreich und die Schweiz beispielsweise bei its, Milchpützweg 5, D-53343 Wachtberg-Pech, Tel.: +49/228/327150, Fax: +49/228/326570. Für die Benelux-Staaten wenden Sie sich am besten direkt an Winsat Technology Europe, Frankrijklaan 27, B-8970 Poperinge, Fax: +32/57/33 90 71.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, daß Sie darauf achten, daß der Receiver über einen ausreichenden Vorrat an Programmspeichern verfügt.

So, damit hätten Sie erst einmal genug, worüber Sie vor dem Kauf nachdenken sollten. Im nächsten Kapitel widmen wir uns dann dem Aufbau einer durchschnittlichen Anlage.



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